• Tödlicher Unfall mit Radfahrerin in Berlin-Lichtenberg: Die Entschärfung von Gefahrenstellen dauert zu lange

Tödlicher Unfall mit Radfahrerin in Berlin-Lichtenberg : Die Entschärfung von Gefahrenstellen dauert zu lange

Das tödliche Unglück in Lichtenberg war absehbar. Und es kann jederzeit wieder passieren. Eine schnelle Entschärfung der vielen Gefahrenstellen in der Stadt ist offenbar nicht gewollt. Ein Kommentar.

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Dies ist der schmale Radweg an der Unfallstelle Karlshorster Straße Ecke Hauptstraße.
Dies ist der schmale Radweg an der Unfallstelle Karlshorster Straße Ecke Hauptstraße.Foto: Henning Onken

Eine junge Frau ist tot, überrollt von einem abbiegenden Lkw, dessen Fahrer den Unfall nahe dem Ostkreuz zuerst nicht einmal bemerkt hat. Am Tag danach veröffentlichte die Polizei gestern einen Zeugenaufruf, um den Moment der Tragödie zu rekonstruieren.

Wir rekonstruieren hier mal die Jahre davor. „An der Unterführung der Bahn, Karlshorster Straße, ist es lebensgefährlich, die Straße zu benutzen“, notierte ein Teilnehmer des von der Verkehrsverwaltung initiierten Online-Dialogs „radsicherheit.berlin.de“. Ein anderer schrieb: „Diese Ecke ist so unglaublich unübersichtlich und gefährlich, dass ein Ausweichen auf den Gehweg unausweichlich ist.“ Zwei Jahre ist das her. Eine Radspur könne frühestens 2020 markiert werden, teilt das Bezirksamt mit. In fünf Jahren. Also noch 2000 Tage Gelegenheit für Tragödien dieser Art an diesem Ort. Es kann jederzeit wieder passieren – und nicht nur hier.

Um mal eine Prognose zu wagen: Die Gnade einer eigenen Grünphase wird Radfahrern und Fußgängern auch künftig nicht zuteil. Weder hier noch anderswo. Die Abwägung zwischen dem geglaubten Grundrecht auf flotte Fahrt und dem realen auf körperliche Unversehrtheit (Artikel 2 Grundgesetz) geht meist zugunsten der flotten Fahrt aus.

Zweifellos ist es an den vielen engen, dunklen Bahnunterführungen in der Stadt besonders schwierig, Gefahrenstellen zu entschärfen. Aber es ist zumindest möglich – und könnte schneller gehen, wenn es gewollt wäre. Von der Top-30-Liste des Radsicherheit-Dialoges sind nach zwei Jahren fünf Fälle erledigt, die Unfallkommission hat 500 Dauerbrenner auf dem Tisch – und schafft davon pro Jahr ein gutes Dutzend. Unsere Urenkel dürften also von einigen Verbesserungen profitieren.

Jährlich 50 Tote und 17000 Verletzte im Berliner Verkehr sind üblich. Aber normal sind sie nicht, dürfen sie nie werden!

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