Berlin : Tödliches Drama nach 27 Ehejahren

Er wollte mit ihr die gemeinsame Zeit feiern. Sie wollte die Trennung. Da schlug er mit der Sektflasche zu

Kerstin Gehrke

Noch einmal etwas probieren, sich verändern. Die Frau war nach 27 Ehejahren mit ihren Gedanken bei einer Zukunft ohne ihren Mann. Er aber lag neben ihr im Bett und wollte bei einer Flasche Sekt Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit, an die Hochzeitsreise, an die Erlebnisse mit den Kindern wachrütteln. Cornelia E. aber sagte: „Ich nehme mir eine eigene Wohnung, ich werde dich verlassen.“ Für Manfred E. brach eine Welt zusammen. Er soll der 46-jährigen Frau die ungeöffnete Sektflasche auf den Kopf geschlagen und sie dann erstickt haben.

„Ich weiß, dass ich da eine schlimme Sache gemacht habe, die ich zutiefst bereue“, erklärte der 57-jährige Vater eines Eishockey-Profis gestern vor dem Berliner Landgericht. Bis heute könne er nicht verstehen, dass er zu so einer Tat in der Lage gewesen sei. „Eigentlich waren wir eine glückliche Familie.“ Nach dem schrecklichen Geschehen in den späten Abendstunden des 2. März dieses Jahres hatte er versucht, sich mit einem Messer umzubringen. Er stach sich mehrfach in den Hals und in die Brust. Er überlebte schwer verletzt.

Der gelernte Maurer, der zuletzt in einem Baumarkt arbeitete, wird später von Zeugen als ruhig und besonnen beschrieben. „Gewalt gab es in unserer Familie generell nicht“, sagte die 27-jährige Tochter Saskia. Ihr Bruder Sebastian, der früher bei den Eisbären im Tor stand und jetzt beim Eishockeyverein ES Weißwasser spielt, bestätigte das. Wenn es einmal Streit gab, seien sich seine Eltern eher schweigend aus dem Weg gegangen. „Wie ist heute Ihr Verhältnis zu ihrem Vater?“, fragte der Verteidiger den 23-jährigen Sohn. Der kräftige Eishockey-Profi schüttelte weinend den Kopf.

Was genau in der Wohnung in der Werneuchender Straße in Hohenschönhausen passiert ist, wissen die Kinder nicht. Manfred E. sagte auch den Richtern, dass er sich an die Tat nicht erinnern könne. „Ich weiß noch, dass ich eine Flasche in der Hand hatte, dann ein Messer nahm.“ Als seine Frau von der Trennung sprach, habe ihn das „wie eine Faust“ getroffen. „Es war wie ein Druck aus der Brust, mein Herz schlug schneller, alles entfernte sich von mir.“

Er will nicht gemerkt haben, dass seine Frau schon seit längerem von ihm weg wollte. Seine Frau habe ihm bei einem Gespräch im Januar auch versichert, dass kein anderer Mann eine Rolle spiele, sagte E. Er packte ihr weiter die Frühstückspakete, wenn sie zur Arbeit fuhr, er ging früher ins Bett, um die Decke für sie anzuwärmen. Er ist ein häuslicher Typ, sie wird von Zeugen als „Power-Frau“ beschrieben, die zuletzt als Weinverkäuferin arbeitete.

Es hatte in ihrer Ehe nur eine wirkliche Krise gegeben. Das war 1987. „Sie hatte sich einen anderen gesucht“, sagte der Angeklagte. „Aber dann haben wir im Bett gesessen, eine Flasche Wein getrunken und uns ausgesprochen.“ Gemeinsam überstanden Cornelia und Manfred E. ein großes Unglück: Ihr jüngster Sohn starb 1996. Er wurde nur zehn Jahre alt. „Sein Zimmer haben wir nicht verändert“, erklärte der Vater. Seine Tochter sagte: „Wir haben uns als Familie gegenseitig gestützt, waren füreinander da.“ Doch Manfred E. meint auch, dass er damals, als die Ärzte nichts mehr für den Kleinen tun konnten, schon einmal gespürt habe, wie sich alles entfernte. Der Prozess wegen Totschlags wird an diesem Freitag fortgesetzt.

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