Berlin : Töpfe leer in der Suppenküche

Senat streicht Zuschüsse für einzigartiges Kinderprojekt

Claudia Keller

Sie sind acht, zehn und dreizehn Jahre alt. Wenn sie aus der Schule kommen, hat keine Mutter für sie gekocht: Rund 100 Kinder essen deshalb jeden Mittag in der Hellersdorfer „Arche“. Jetzt hat die Streichung der Senatszuschüsse für freie Projekte auch dieses Unternehmen getroffen: Berlins einzige Suppenküche für Kinder. Bernd Siggelkow leitet das Jugendzentrum seit 1995, getragen wird es von der „Evangelischen Freikirche Die Arche“, einem Verein von 23 privaten Mitgliedern.

Der Bezirk finanzierte bis Ende 2002 Siggelkows Stelle. Diese 36 800 Euro im Jahr hat das Amt nun gestrichen. „Ich weiß nicht, wie ich ohne Lohn weiterarbeiten soll“, sagt Siggelkow. Freikirchen-Mitglied Volker Riehl bezweifelt, dass private Spenden die Kürzungen auffangen können.

Der Hintergrund ist ein Streit zwischen dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf und Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) um die Reduzierung der Personalkosten. Der Finanzsenator hat am 18. Dezember 2002 die Senatszuschüsse für soziale Projekte in Freier Trägerschaft in Marzahn-Hellersdorf gesperrt – bis der Bezirk einen neuen Haushaltsplan vorlegt und bereit sei zu sparen.

Pfarrer Siggelkow betreut die Kinder mit Hilfe von vier Praktikanten, 15 ehrenamtlichen Mitarbeitern und zwei Halbtagskräften, die die Aktion Mensch bezahlt. „Werde ich entlassen, müssen auch alle anderen gehen“, sagt Siggelkow, „und Spenden kann dann auch niemand mehr eintreiben.“ Schon jetzt bezahlt die Freikirche das Essen für die Kinder, Strom und Wasser. In der Freikirche ist auch die in Bremen ansässige „Aktion 2000“ Mitglied, die der Arche 1000 Euro monatlich für Nachhilfestunden spendet. „Seit Januar zahlen wir zusätzlich 1000 Euro für eine Lehrerin“, sagt Volker Riehl von „Aktion 2000“. Mehr sei nicht drin.

Pfarrer Hartmut Wittig von der evangelischen Gemeinde in Hellersdorf schätzt die Arbeit der Freikirche. Jede Einrichtung, die Kinder von der Straße holt, sei wichtig. Wittig bezweifelt allerdings, dass in Hellersdorf Kinder hungern müssen. Viele würden eben lieber das Geld für das Mittagessen für anderes sparen.

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