Berlin : Töpfer könnte wollen – die Union will aber noch nicht fragen

Die CDU sucht einen Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl 2006. Jetzt spricht sie abermals über Klaus Töpfer – aber nicht mit ihm

Werner van Bebber

Klaus Töpfer hat etwas von einem Asteroiden. Wie einer dieser kleinen Planeten, die unverdrossen um die Sonne kreisen und gelegentlich an der Erde vorbei- ziehen, kommt Töpfer immer mal wieder ins Gesichtsfeld der Berliner Politik. Dann diskutieren sie in und außerhalb der CDU wieder die Frage, ob der frühere Bundesumwelt- und Bauminister Klaus Töpfer der Richtige wäre, um im Herbst 2006 Klaus Wowereit herauszufordern. Wenn er denn zur Verfügung stünde.

Dass Töpfer könnte, wenn man ihn wollte, ist seit dem Dienstag wahrscheinlicher geworden. Der Mann mit Hauptwohnsitz in Nairobi hat ausgerechnet in Berlin bei der Tagung des Rates für nachhaltige Entwicklung gesagt, dass er seinen Vertrag mit den Vereinten Nationen als Chef des UN-Umweltprogramms Unep nicht verlängern will. Theoretisch könnte er sich ab Frühjahr 2006 mit den Berliner Verhältnissen, die er aus den Zeiten der Planung für den Hauptstadtumzug kennen gelernt hat, neu vertraut machen.

Praktisch aber ist die Nachrichtenlage heute genauso wie beim letzten Mal, als der Asteroid an Berlin vorüberzog: Töpfer schweigt sich über seine Pläne aus. Und die Berliner CDU schweigt sich über Töpfer aus. Offiziell jedenfalls. Die Devise, auf die sich Landeschef Ingo Schmitt mit den Kreisvorsitzenden geeinigt hat, lautet: Bis zum Herbst sagen wir nichts zu Kandidatenfragen. Vor allem kommentieren wir keine Namen. Das führt nur dazu, dass die Träger dieser Namen als Kandidaten kaputtgeredet werden, bevor der Berliner Wahlkampf begonnen hat.

Schmitt, der es in Berlin noch nicht zu richtig umwerfender Beliebtheit gebracht hat, kann stolz darauf sein, dass sich seine Parteifreunde an die Devise halten. Er hat die Berliner CDU bislang davon abgehalten, eine vorzeitige, hochtheoretische Kandidatendebatte zu führen. So heißt es auch jetzt, nach Töpfers Visite in Berlin, zur Kandidatenfrage gebe es nichts Neues. Generalsekretär Frank Henkel frischt die karge Nachrichtenlage immerhin dadurch auf, dass er sagt, es habe kein Treffen zwischen Schmitt und Töpfer gegeben – seines Wissen jedenfalls nicht. Er würde es wohl wissen. Ansonsten gilt laut Generalsekretär Henkel: Im Herbst werde man weiter sehen – wenn nach der Wahl die Dinge im Bund geregelt sind. „Das ist der Augenblick,wo wir in die heiße Phase einsteigen“, verspricht der Generalsekretär und meint die heiße Phase der Rekrutierung eines Spitzenkandidaten.

Bloß weil Töpfer gerade in Berlin war, bricht also keiner aus der CDU sein Kandidatenkür-Schweigegelübde. Allenfalls redet man ein wenig über die Qualitäten eines Kandidaten. Weil der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sogar in der CDU unbestritten als Repräsentant des jugendlichen, modernen, weltoffenen Berlin gilt, stutzt neuerdings der eine oder andere in Anbetracht von Töpfers Alter. Einerseits: Wowereit mit seinen glattgesichtigen 51 Jahren, tolerant gegenüber vielen Varianten von Freizeitbeschäftigung. Andererseits ein Mann von jetzt 67 Jahren, der vielfach um die Welt gereist ist, Welt-Umweltpolitik gemacht hat, davor Bundespolitik – ob der bereit ist, sich auf Berliner Verhältnisse einzulassen?

So grübelt einer von Gewicht in der Partei, der einen anderen Favoriten hat. Der aber sei, weil vielfältig eingebunden, noch weniger an- und aussprechbar als Töpfer. Doch hat Töpfer einen kräftige Anhängerschar unter den Parteiamtsträgern. „Ein toller Mann. Mit ihm hätte Berlin eine große Zukunft“ – auch das hört man. Das Alter? Kein Hindernis – Töpfer sei ein moderner Denker. Die Partei hat noch nicht zu Ende diskutiert.

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