Berlin : Tohuwabohu vorm Altar: Hurenparty nun doch in der Kirche

schirm

Mit klackenden Stöckeln und gellenden Indianerschreien protestierten die Prostituierten vorm Portal der Kreuzberger Emmauskirche. Berlins Landesbischof Wolfgang Huber hatte mit seiner kurzfristigen Ausladung die Hurenschar auf die Palme gebracht. Nach einigem Gezeter ließ der Pfarrer seine Sünderinnen in den sündhaft teuren Lackhöschen schließlich doch ins Kirchenschiff. Aus der Party wurde trotzdem nichts. Statt Empfang veranstalteten die Kult-Huren ein Tohuwabohu vorm Altar.

"Wir sind nicht zum Beten gekommen, wir wollen hier feiern!" schrie eine ergraute Lesbe aufgebracht. Pfarrer Jörg Machel hatte gerade um ein gemeinsames Stoßgebet gebeten. "Auf die Knie mit dir", zischte eine Domina auf der Kirchenbank böse. Die Huren geladen, die Stimmung gereizt - nur ein paar Punks in Reihe sieben drehten Joints zum Dosenbier. Ein schräges Oratorium pfiff oben aus den Orgelpfeifen, eine Domina hämmerte in die Tasten. Eine blondierte, Hure aus Schweden blies auf dem Saxofon, und ein Charlottenburger Mönch aus dem Himalaya predigte auf Tibetisch Buddhas tolerante Haltung zur Prostitution. Auch der Pfarrer zitierte aus Psalmen, dass Huren ins Himmelreich kämen.

Das alles konnte die grelle Versammlung nicht milde stimmen. Zähneknirschen, Zoff und Keiferei. Eine Dame demolierte gar die Kirchenorgel. Während der Pfarrer bedröppelt dastand kursierte das drahtlose Mikrofon. Veranstalterin Mahide Lein hielt einen langen Monolog. Ein Fotograf wurde draußen abgestraft. "Lady Linda griff mir von hinten zwischen die Beine und klaute mein Blitzlicht". Da kam die Polizei. Die Lady wollte den Film des Fotografen. Der Fotograf wollte nicht raus damit. "Eigentlich hatte ich mir eine Erziehung ganz anderer Art gewünscht". Lady Linda arbeitet - in einem Wohnmobil - heute vor der ufa-Fabrik.

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