Berlin : Tohuwabohu

Andreas Conrad

über

Berlins Liebe zum Chaos

Zurück zu den Wurzeln? Ein kluger Rat, gerade wenn es um Sprache geht. Unter Chaos wird gemeinhin ein völliges Durcheinander verstanden, das aber die Existenz von Dingen voraussetzt, die chaotisch durcheinander purzeln. Die alten Griechen hingegen stellten sich das Chaos als klaffende Leere vor, im Weltall oder wo auch immer. Es gehört zu den Besonderheiten Berlins, dass auf seine aktuelle Lage beide Definitionen zutreffen: allgemeines Tohuwabohu und Leere in der Kasse. Der Gedanke, es handle sich hier um die Hauptstadt des Chaos, liegt nahe, und so überrascht es nicht, dass sich der Chaos-Computer-Club ausgerechnet Berlin fürs Jahrestreffen Ende Dezember ausgesucht hat. Erstmals richtet der Club dabei ein Labor mit Workshops und Elektronikbasteleien ein. Dazu gehört ein „Blinkenlights“ betiteltes Projekt, bei dem die Clubmitglieder Gebäudefassaden in riesige Bildschirme verwandeln. Das kommt ihnen sicher sehr modern vor, erinnert aber fatal an die Lightshow zum 40-jährigen Bestehen der DDR. Damals war mittels Lichtschalter an der Fassade des Internationalen Handelszentrums eine riesige 40 gebildet worden. Wo dieses Projekt endete, ist bekannt: im Chaos.

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