Toiletten in Supermärkten : Die Senatsverwaltung will das Super-Örtchen

Berlins Supermärkte müssen in Zukunft für ihre Kunden barrierefreie Unisex-Toiletten stellen. Unser Kolumnist fühlt sich an einen Hit von Otto Reuter erinnert.

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Zur Toilette geht's da lang! Die Senatsverwaltung hat beschlossen, dass Supermärkte in Zukunft Kundentoiletten stellen müssen. Foto: dpa
Zur Toilette geht's da lang! Die Senatsverwaltung hat beschlossen, dass Supermärkte in Zukunft Kundentoiletten stellen müssen.Foto: dpa

Was ist ein Supermarkt? Da stell’n wa uns ma janz dumm, wa: Die Esswarenklitsche in unserem tollen Kiez, Filiale von Kette XY, wo das Sortiment immer planwirtschaftlicher, das Personal immer unterirdischer wird, nennt sich so. Wie viel Quadratmeter hat das Ding? Supermarkt ist ein Euphemismus. Aber nichts gegen Schönrednerei!

Neue Berliner Supermärkte sind jedenfalls ab sofort ab 800 Quadratmeter Fläche laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung angehalten, ihren Kunden barrierefreie Unisex-Örtchen anzubieten, wegen des demografischen Wandels. Sie alle wissen ja, was damit gemeint ist. Müssen wir das Projekt deswegen unappetitlich auswalzen?

Das Leben ist zu kurz, um zwischen Sekt-Probierstand und Wursttheke um den heißen Brei rumzureden, aber ein paar zivilisierte Euphemismen helfen allen Beteiligten, die Sache hinter sich zu bringen. Dem Senat geht es dabei offenbar um das allgemeine menschliche Bedürfnis oder, anders gesagt, die Abteilung Keramik, den Ladies / Gentlemen’s Room: jene Waschräume, wo der Kaiser (Achtung, Marken-Placement!), obgleich im Einzelhandel nur König, zu Fuß hingeht.

An dieser Stelle sei besonders jenen älteren Super-Kunden, die das Werk Otto Reutters kennen, ein Rekurs auf den Hit „Der Überzieher“ empfohlen: Dieses unsterbliche Chanson vom Gastro-Konflikt zwischen Garderoben-Bewachung und Notdurft-Erledigung sollte für die Superklo-Epoche werbewirksam aktualisiert werden. Oder wollen Sie Ihren vollen Einkaufswagen samt Pfandeuro und Täschchen neben die Keramik quetschen?

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