Berlin : Toms dufte Reisen – wo Bio-Friseure die Schere schwingen

Susanne Leimstoll

Noch bevor der Kunde auf dem Drehstuhl vor dem Spiegel sitzt, breitet sich Wohlgefühl aus. Die Nase hat Witterung aufgenommen. Es duftet nach Zedernholz im Salon, nach Süßgras, Jasmin und Rose. Noch bevor der Friseur die Schere ansetzt, ist der Kunde gefügig gemacht – durch eine Kopfmassage mit natürlich aromatisierten Ölen. Man darf an fünf Fläschchen riechen und sagen, mit welchem Inhalt man Kopf, Nacken und Schultern sanft geknetet haben möchte. „Wir schicken die Leute auf Duftreise“, sagt Tom Kroboth, renommierter Hairstylist und Creative Director des Aveda Lifestyle Salons am Ku’damm. Auf einen Trip in die Natur. Denn „bio“ ist das wichtigste Stichwort bei Aveda.

Tom Kroboth steht für das Image des Ladens: 35 Jahre alt, eine Haut wie Seide. Auf dem nach Indianerart fast kahl rasierten Kopf ein rundes Kissen blondierter Haare. Die Spitzen stehen ab wie Igelstacheln. Das passt zum Aveda-Selbstverständnis: bloß nicht brav, ein bisschen rebellisch, aber alles schön bio. „Trotzdem, wir sind kein Ökofriseur“, sagt Kroboth. Die Linie, 1978 vom Österreicher Horst Rechelbacher gegründet, setzt auf weitgehend chemiefreie Produkte für Haut und Haar. „Zu 97 Prozent natürliche Inhaltsstoffe“, heißt es in der Unternehmenswerbung. Der Rest sind Konservierungsstoffe, die das Lebensmittelgesetz vorschreibt, weil reine Naturkosmetik sonst schnell verderben würde. Im Geschäft mit der Schönheit ein ungewöhnlicher Weg. Kosmetik, die ohne Chemie auskommen will, sucht man sonst allenfalls im Bioladen.

Aveda dagegen behauptet, chemische Zusatzstoffe seien durch natürliche zu ersetzen und ebenso wirksam. „Wir arbeiten nicht mit petrochemischen, also Mineralölstoffen. Von denen weiß man, dass sie durch die Haut in den Körper gelangen“, sagt Tom Kroboth. Nachteil gegenüber der Chemie: Die Wirkung setzt nicht sofort ein. „Wir haben eben keine Silikone im Conditioner. Deshalb ist das Haar dann auch nicht so schnell gut kämmbar wie bei chemischen Produkten. Aber Haar braucht schließlich auch Zeit, um gesund zu werden.“

Was aber ist eigentlich gegen chemisches Silikon zu sagen? „Es macht das Haar nach einer Weile schlaff“, meint Kroboth. „Dann kommen Starfriseure und schmeißen ein Peeling-Shampoo auf den Markt. Dessen Substanzen reißen das mit Schmierstoffen verklebte Haar auf.“ Danach greift die Silikon-Behandlung wieder für eine Weile. So, behauptet Kroboth, funktioniere der aktuelle Glanz- und Glattmachertrend in der Frisurenindustrie. Er schwört auf „natürliche Silikone“, Bienenwachsextrakt etwa.

Bleibt das Thema Färben. Blondieren mit Naturmitteln? Geht doch gar nicht. Geht doch, sagt Farbspezialistin Susanne Gessner. „Ammoniak kann man aus einem natürlichen Gas gewinnen. Das schädigt das Haar erst bei viel zu häufigem Strähnen. Und es sind mehr pflegende Öle drin und natürliche Aromen wie Zimt und Lavendel.“

Also arbeitet sie mit alternativen Produkten: mit Zusätzen wie Jojoba-, Rhizinus- oder Sonnenblumenöl, mit Stoffen aus kontrolliert biologischem Anbau, mit farbverstärkendem Vanillin, mit grünem Tee, der das Haar leuchten lässt, mit natürlichen Tensiden wie Fruktose, die die Farbe gleichmäßig im Haar verteilen.

Die Konsequenzen für den Kunden sind einfach. „Das Haar lebt noch“, sagt Tom Kroboth.

Aveda Lifestyle Salon and Spa, Kurfürstendamm26a, Wilmersdorf, Tel. 88708799. Schnitte inkl. Waschen und Styling: 50 bis 100 Euro, Colorieren 50 bis 200 Euro.

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