Berlin : Topographie: Demontage hat begonnen

Sabine BeikleR

Der große Portalkran wird gerade zerlegt – und auch die drei Treppentürme sollen bis Mitte November abgerissen werden: Auf dem Gelände der Topographie des Terrors an der Niederkirchnerstraße in Mitte erinnert bald nichts mehr an die Pläne des Schweizer Architekten Peter Zumthor. Nach jahrelangem Streit zwischen Senat und Zumthor über die Baukosten hatten Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) im Juni den Bau gestoppt. Schadenersatzforderungen an das Land sind für Zumthor aber offenbar kein Thema. „Das interessiert mich nicht. Es gibt wichtigere Dinge wie die gesamte Bauaufgabe“, sagte er gestern. Noch habe er den Aufhebungsvertrag nicht unterschrieben, aber auch das seien „formal-juristische Dinge“, mit denen er sich noch nicht befasst habe.

Zumthor fühlt sich als „Prügelknabe“ für vieles, was schief gelaufen ist. Selbstkritik hält sich bei dem Schweizer Architekten in Grenzen: Am liebsten würde er „Frau Weiss und Frau Junge-Reyer gern einmal in die Augen sehen“ und über sein Projekt sprechen. Andererseits sei er es nicht gewohnt, „als Architekt für mein Projekt zu werben“. Das müsse schon der Bauherr erledigen. Doch das tun weder die Senatsbauverwaltung noch die Kulturstaatsministerin als künftige Bauherrin. „Die Entscheidung ist gefallen: Mit Zumthor ist das Projekt nicht mehr zu realisieren“, sagte ein Sprecher von Christina Weiss. Einem solchen Ort sei ein weiteres „jahrelanges Gezerre“ nicht mehr zumutbar. Auf dem Topographie-Gelände befanden sich die Zentralen des NS-Verfolgungsapparates, Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt.

Am Abriss der Türme hält die Senatsbauverwaltung fest. „Die Ausschreibungsfrist läuft in dieser Woche aus“, sagte Sprecherin Manuela Damianakis. Als „Synonym für die Zerrissenheit des Ortes“ sollten die Türme erst einmal stehen bleiben, meint hingegen Alexander Koblitz vom Architektenbüro Kleyer, Koblitz, Winkelmüller. Doch die politischen Entscheidungen sind getroffen: Noch bis Ende des Jahres soll eine europaweite Ausschreibung unter Leitung des Bundes anlaufen.

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