Berlin : "Topographie des Terrors": Architekt Zumthor wirft Strieder "Kahlschlag" vor

Sabine Beikler

Der Baustopp für das Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" bleibt bestehen. Obwohl der Senat eine Begrenzung der Baukosten auf 76 Millionen Mark beschlossen hatte, stimmte der Hauptausschuss am Mittwochabend einer entsprechenden Vorlage nicht zus. Ohne die Zustimmung der Parlamentarier kann die Bauverwaltung jedoch den Auftrag nicht weiter ausschreiben. Der Hauptausschuss bat den Rechnungshof um Prüfung der zu erwartenden Kosten.

Sollten die Kosten auf 76 Millionen Mark begrenzt bleiben, drohte der Schweizer Star-Architekt Peter Zumthor laut einer dpa-Meldung am Mittwoch mit einer Urheberrechtsklage. "Dann wird es sehr schwierig", sagte Zumthor gegenüber dpa. "Sonst hat Berlin womöglich eine Urheberrechtsklage und eine jahrelange Baustelle am Hals." Einen Bau "ohne den Architekten" werde er nicht akzeptieren. Zumthor warf Bausenator Peter Strieder (SPD) in einer Pressemitteilung vor, "mit allen Mitteln seine Zahl von 76 Millionen Mark architektonisch und baulich möglich zu machen. Er benutzt dazu die Brechstange, erwägt drakonische Maßnahmen." Laut Zumthor werde das Gebäude "gegen den Willen des Architekten" umgestaltet. "Einen Kahlschlag dieser Art wird das Projekt nicht überleben", so Zumthor. Man sei aber nach wie vor bereit, konstruktiv mit der Bauverwaltung zusammen zu arbeiten.

Auch die Bauverwaltung will einen konstruktiven Umgang mit Zumthor. "Keine Frage, seine Entwürfe sind genial, aber er muss auch verstehen, dass die Architektur bezahlbar bleiben muss. Es geht hier um die Belastung des öffentlichen Haushalts", betonte Petra Reetz, Sprecherin der Bauverwaltung. Ohne die Kostenreduzierung auf 76 Millionen Mark wird sich im Übrigen auch der Bund nicht zur Hälfte an dem Bau beteiligen. Das werde Strieder in einem Antwortschreiben an Zumthor noch einmal erklären.

Einer möglichen Urheberrechtsklage des Architekten sieht die Bauverwaltung gelassen entgegen. Es gebe einen gültigen Vertrag aus dem Jahr 1996, und die Bauplanungsunterlagen seien von einem Büro eingereicht worden, das im Auftrag von Zumthor arbeitet. Die "Aufregung" des Architekten versteht Konrad Zander, Abteilungsleiter in der Bauverwaltung, ebenfalls nicht. "Bei den allwöchentlichen Sitzungen ist Zumthors Bürochef immer mit dabei." Es gibt nach Zanders Einschätzung durchaus einen Konsens bei den Einsparungen. Vielleicht müsse man aber zwischendurch immer wieder mal "pokern".

Baustaatssekretär Frank Bielka sagte am Mittwoch vor dem Hauptausschuss, es gebe einen "Restkonflikt" zwischen Strieder und Zumthor, der sich auf "inhaltlich-gestalterische Vorstellungen" beim Bau des Dokumentationszentrums beziehe. "Für Zumthor ist das Bauwerk auch ein Kunstwerk." Bielka zählte erneut die Einsparmöglichkeiten in folgenden Bereichen auf: Art der Verglasung (drei Millionen Mark), Innenbeleuchtung (0,6 Millionen Mark), Möbel (600 000 Mark), Außenanlagen (eine Million Mark), Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses wollte am Abend über eine entsprechende, von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) vorgeschlagene Begrenzung entscheiden. Danach soll der wegen explodierter Kosten gestoppte Bau weitergehen, wenn der Rahmen von 76 Millionen Mark eingehalten werde und der Bund die Hälfte der Kosten bezahlt. Zumthor hatte sich bereits am Dienstag zu Wort gemeldet und die Kostenbegrenzung als unrealistisch bezeichnet.

"Das ist politische Schönrechnerei", sagte Zumthor der dpa. Die Arbeitsgruppe unter Federführung von Strieders Haus mit seiner Beteiligung habe errechnet, dass der Bau rund 85 Millionen Mark "mit einer kleinen Tendenz nach unten" kosten werde. "Alles andere ist ein politischer Preis", sagte Zumthor. "Und ich bitte um Verständnis, dass ich dieses eine Mal dieses Spiel nicht mitmache." Strieders Sparvorschläge bedeuteten einen "Kahlschlag", den das Projekt nicht überlebe. dpa/bb tj yybb rg Die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU hatten sich vorab darauf verständigt, die Vorlage zunächst zur Kenntnis zu nehmen und die Senatsbauverwaltung mit einer "weiteren Kostenplanung" zu beauftragen, sagte Hella Dunger-Löper, Vorsitzende des SPD-Arbeitskreises Haushalt und Finanzen. Das weitere Vorgehen um die Topographie müsse auch im Zusammenhang mit der schwierigen Haushaltssituation Berlins gesehen werden, ergänzte CDU-Fraktionsgeschäftsführer Nicolas Zimmer. "Wir brauchen Kostensicherheit bei der Topographie."

Bausenator Peter Strieder (SPD) warf dem Schweizer Architekten Peter Zumthor wegen dessen Weigerung, am Entwurf Änderungen vorzunehmen, in der vergangenen Woche "Bockigkeit" und "Starallüren" vor. Eine Arbeitsgruppe mit Experten der Bauverwaltung und am Projekt beteiligten Ingenieuren hatte laut Petra Reetz, Sprecherin der Bauverwaltung, Gesamtkosten von rund 85 Millionen Mark ermittelt. Strieder erklärte, diese Summe auf rund 76 Millionen Mark reduzieren zu wollen. "Zusätzliche Einsparungen sind bei der Verglasung des Gebäudes, bei Änderungen der ästhetischen Gestaltung des Innenraums und der Außenanlagen zu erreichen", sagte Reetz.

0 Kommentare

Neuester Kommentar