Berlin : Topographie-Umbau: Der Bund macht Druck

Die Kulturstaatsministerin droht mit einem Neubeginn der Planungen, der Architekt wehrt sich

Sabine Beikler,Claudia Keller

Von Sabine Beikler

und Claudia Keller

Rainer Weitschies kennt das Auf und Ab bei der geplanten Gedenkstätte Topographie des Terrors: Seit 1996 ist er der Projektleiter im Haus des Schweizer Architekten Peter Zumthor. Warum der Entwurf seines Hausherrn jetzt schon wieder in der Diskussion steht, kann er allerdings nicht nachvollziehen. Am Montag hatte Kulturstaatsministerin Christina Weiss Druck gemacht: „Es ist ein Punkt erreicht, bei dem man jetzt entscheiden muss – entweder Berlin beginnt zu bauen, oder man kommt zu der Überzeugung, alles nochmal von vorne zu beginnen.“

Seit vier Jahren ist an dem Bau zwischen der Niederkirchner und der Wilhelmstraße nichts mehr passiert. Die beteiligte Baufirma ist in der Zwischenzeit in die Insolvenz geraten. Jetzt prüfen das Bundesbauministerium und die Senatsbauverwaltung in Berlin, ob die komplizierte Stabwerkskonstruktion von Peter Zumthor überhaupt mit dem vorhandenen Geld zu realisieren ist. Der Bund und das Land sind Träger der Gedenkstätte.

„Wir haben berechtigte Hoffnungen, dass die Topographie in dem Kostenrahmen von 38,5 Millionen Euro gebaut wird“, sagte Rainer Weitschies. Auch wenn das sehr knapp kalkuliert sei, „eine Kostenexplosion wird es sicher nicht geben“. Bis das Bundesbauministerium ein Ergebnis seiner Machbarkeitsstudie vorlegen kann, werden noch mindestens sechs bis acht Wochen vergehen, sagte ein Ministeriumssprecher. Darüber wundert man sich in Zumthors Büro im Graubündener Haldenstein. „Wir warten auf das Ergebnis seit Monaten“, sagte Weitschies.

„Wir müssen jetzt zu einem Ergebnis kommen“, drängt Christina Weiss, aber auch sie will die Erkenntnisse des Bundesbauministeriums abwarten. Auch dem designierten Berliner SPD–Landeschef Michael Müller reicht es, auf verrostete Stahlträger und abgebrochene Betonpfeiler zu schauen: „Es kann nicht sein, dass hier weiter Stillstand herrscht. Die Stiftung Topographie des Terrors braucht dringend ein Gebäude.“ Das müsse eine würdige architektonische Form haben, aber nicht zwingend der Entwurf von Peter Zumthor sein. Das Bauprojekt voranzutreiben, stehe auf seiner Prioritätenliste ganz oben.

In zwei Wochen will die Senatsbauverwaltung mit der Prüfung der Angebote von Baufirmen fertig sein. „Dann können wir sehen, ob der Zumthor-Entwurf mit dem vorhandenen Geld machchbar ist“, sagte Bauverwaltungssprecherin Petra Reetz. Wenn ja, könnte man in drei Wochen einen Auftrag zum Bau der Stelen vergeben, im September könnte es auf der Baustelle in der Niederkirchnerstraße weitergehen. Sollte die Prüfung ergeben, dass das Projekt viel teurer würde, hätte man dann auch Belege in der Hand, um Zumthor nachzuweisen, dass seine Pläne nicht umsetzbar sind. Vorher könne man den Vertrag mit ihm auch gar nicht lösen.

Reinhard Rürup glaubt nicht mehr an die Zeitvorgaben aus der Bauverwaltung. Er ist noch bis Ende April wissenschaftlicher Direktor der Stiftung, dann gibt er seinen Posten aus Frustration über den Baustillstand auf. Zu oft wurde er vertröstet. 1995 sollte der Bau fertig sein, jetzt ist ein Eröffnungstermin für frühestens 2008 geplant. „Die Senatsbauverwaltung gibt keine verlässlichen Auskünfte“, sagte Rürup.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben