Berlin : Tore gegen die Abschiebung

Berlins bester Jugendfußballer soll zurück ins Kosovo – nur als Profi dürfte er bleiben

Volker Eckert

Eigentlich ist Bersat Berisha die Krone des Torschützenkönigs in der Jugend-Bundesliga kaum noch zu nehmen: 14 Tore in zehn Spielen. Bersats Verein Tennis Borussia steht auf dem zweiten Platz. Was den Stürmerkollegen unmöglich erscheint, könnte der Ausländerbehörde gelingen. Denn im April, vor Saisonende, läuft die Duldung des 18-jährigen Kosovaren ab. Dann könnte er mit seiner Familie in das Kosovo abgeschoben werden.

Vor fast elf Jahren kamen die Berishas nach Berlin, sieben Jahre alt war Bersat damals. An das Kosovo kann er sich kaum erinnern. Er sagt: „Ich fühle mich als Deutscher.“ Der Gesetzgeber sieht das anders. Eigentlich wäre die Familie längst wieder im Kosovo. Das Kriegstrauma der Mutter, die in dem Konflikt ihren Vater verloren hat, verhindert das bislang. So wird die Duldung im Halbjahresrhythmus verlängert. Ein Status, der nicht nur an den Nerven zehrt; er bedeutet auch, dass niemand aus der Familie arbeiten darf.

Für Bersat gäbe es allerdings eine Chance, arbeiten zu dürfen: ein Vertrag bei einem Verein der 1. oder 2. Liga. Profi werden, davon träumt er seit langem. Mit jedem Tor kommt er dem ein bisschen näher – und der Aufenthaltsgenehmigung. Zum Ausgehen am Abend bleibt da wenig Zeit: Morgens muss Bersat früh raus, er macht einen Realschulabschluss an einem Oberstufenzentrum. Gleich danach geht er zum Training.

Was ihm der Schulabschluss im Zweig Bautechnik bringt, weiß Bersat nicht. Aber er sagt von sich, dass er ehrgeizig ist. Deutsch spricht er fließend. Sein Lieblingssänger ist Xavier Naidoo. Den kennt im Kosovo wahrscheinlich niemand. Bersat weiß nicht viel über seine Heimatstadt Pristina. Der Strom fließt nur ein paar Stunden am Tag, erwähnt er beiläufig. Das Wichtigste aber ist: „Mit Fußball sieht es da schlecht aus.“

Berlins Ausländerbeauftragter Günter Piening findet es verrückt, dass Leute wie die Berishas abgeschoben werden sollen: „Bersat ist doch hervorragend integriert.“ Piening will sich dafür einsetzen, dass die Familie ein Bleiberecht bekommt, eventuell über eine Härtefallkommission. Die muss den Fall der Berishas aber erst einmal annehmen. 11000 Menschen leben laut Piening seit mindestens acht Jahre mit demselben unsicheren Status in der Stadt. Die Innenverwaltung verweist indes auf die stabile Situation im Kosovo, die eine Rückkehr erlaube. Allerdings bestehe die Möglichkeit der Einzelprüfung.

Bersats Verein Tennis Borussia versucht, seinem Stürmer zu helfen, hat ihm einen Anwalt besorgt, obwohl sie Bersat wohl kaum werden halten können. Die 1. Mannschaft von Tennis Borussia spielt in der 4. Liga. Bersat hat schon Kontakt zu Hannover 96 und Borussia Dortmund gehabt. Dort haben sie ihm gesagt: Spiel erst bei unseren Amateuren, dann schaffst du vielleicht den Sprung zu den Profis. Aber das geht nicht. Bersat darf Berlin nicht verlassen, so sieht es das Ausländerrecht vor. Schon für ein Auswärtsspiel braucht er eine Sondergenehmigung. Manchmal versteht der junge Mann das alles nicht: „Man soll doch seine Ziele verwirklichen.“

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