Berlin : Tore klingen lassen

Elisabeth Binder

Dieser Tage wird einem allzu oft der missverständliche Eindruck vermittelt, bei einem Tor könne es sich um a) ein besseres Ballfangnetz handeln oder b) um einen Freudenschrei oder c) um einen Schreckensschrei. Glücklicherweise ist die Welt weder rund noch eckig, sondern vor allem weit und unerschlossen.

Im besten Sinne des Wortes ist ein Tor also ein Durchgang, etwas, das ein Herz aus gutem Grunde höher schlagen lässt, weil es neue Räume erschließt, neue Welten öffnet. Zum Beispiel die Welt der Stille. Eine wunderbare Installation zum Thema „Sichtbare Stille“ ist derzeit in der Emerson Gallery zu sehen. In der Galerie ist man gastfreundlich zu spontanen Besuchern, und auch bereit, die Installation von Christina Kubisch zu erläutern. Nicht nur, aber auch für den Fall, dass man so was gern mal bei sich zu Hause hätte.

Im Eingangsbereich durchquert man zehn deckenhohe Tore, die aus schwarzen, dünnen Kabeln geformt sind und einen ausgesprochen filigranen Eindruck machen. Dabei trägt man einen kabellosen Kopfhörer, der bei jedem Tor verschiedene Klänge produziert. So umherschreitend, schafft man sich für den Weg eine eigene Melodie. Bei den zehn verschiedenen Klangspuren handelt es sich um elektromagnetische Felder, die normalerweise nicht hörbar sind, mittels einer besonderen Technik aber doch in Klänge umgesetzt werden können. Sie sind sogar in Bilder übertragen worden, die an der Wand zu sehen sind, so genannte Electrical Drawings, auf denen mit Hilfe eines Computerprogramms die Klangwellen sichtbar gemacht wurden.

Im nächsten Raum gibt es die Steigerung zu den Klängen. Auf Plexiglastafeln sind Zitate zum Thema „Stille“ gedruckt. Zum Beispiel diese Zeilen von Joseph von Eichendorff: „Und meine Seele spannte/ Weit ihre Flügel aus,/ Flog durch die stillen Lande,/ Als flöge sie nach Haus.“

Gartenstraße 1 in Mitte, bis 8. Juli, Di. bis Fr. 14 bis 19, Sa. 12 bis 16 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar