Berlin : Tortenschlacht: Aber bitte mit Sahne: Das Café Buchwald

Matthias Oloew

Das Café im Kranzler hat sich in die Rotunde unterm Dach verkrümelt. Abends werden dafür Cocktails gemixt. Oasen mit Kaffee und Kuchen gibt es aber an anderen Plätzen - in unserer neuen Rubrik zeigen wir, wo

Es war einer dieser trüben Tage, der mit seinem grauen Himmel mächtig aufs Gemüt drückte. Gegen vier am Nachmittag dämmerte es, der Spaziergang im Tiergarten stand ebenso wie die Wahl des Cafés unter dem Motto: Heute bloß keine Experimente! Bitte nur Bewährtes. Also schlenderten wir dorthin, wohin es Liebhaber guten Kuchens immer verschlägt, wenn sie in der Nähe sind - in das Café Buchwald.

Die bange Frage, ob denn noch ein Tisch frei ist, hatte sich schnell und für uns glücklich entschieden. Zwischen den rustikalen Möbeln fanden sich zwei Plätzchen, wie immer mit weißem Tuch eingedeckt, Trockenblumen als Dekoration und dem kleinen Schildchen mit der unübersehbaren Aufforderung: "Bestellung und Bezahlung bitte am Büfett".

Vorn keuchte die Kaffeemaschine, heiße Milch wurde aufgeschäumt. Die flinken Hände der Verkäuferinnen reichten Kuchen wie am Fließband über den gläsernen Tresen. Die Auswahl war wie immer übersichtlich und das hat seinen guten Grund: alle Torten und Kuchen sind frisch. Brot und Brötchen gibt es in der Konditorei nicht. Die Wahl meiner Begleitung fiel auf den lecker aussehenden Apfel-Zimt-Kuchen und obwohl ich immer ein Fan von ebenso gutem wie einfachen Apfelkuchen bin, entschied ich mich für die Preiselbeer-Torte in der Hoffnung, die geballte Ladung Sahne würde mein Gemüt aufheitern.

Kaum bestellt, kam auch schon die Kellnerin und servierte, wie wir es gewohnt sind, Kuchen und Getränke auf einem kleinen Tablett aus Holzimitat mit Manschette. Die geräuschvolle Ruhe im Raum wurde durch das Gemurmel der Gäste dominiert. Musik? Fehlanzeige. Wie schön. Wie fast jeden Tag, so sah die Kundschaft auch diesmal aus - eine große Bandbreite von 17 bis 77, von Schülern bis Rentnern. Gemusterte Strukturtapeten. Zwischen den Tischen wieselten die Kellnerinnen über das knarrende Parkett, das genauso alt zu sein scheint, wie das Café mit einer der längsten Traditionen der Stadt. 1852 in Cottbus gegründet und 1900 nach Belin umgezogen, werben Buchwalds noch immer mit der Etikette "Königlicher Hoflieferant." Das bezieht sich auf den Baumkuchen, ein Spezialität des Hauses.

An dem servierten Kuchen hatten wir nichts auszusetzen. Meine Begleitung summte immer wieder ein "hmm", auch weil er fast alles ausnahmslos lecker findet, was mit Zimt bestäubt ist. So gesehen war der Apfelkuchen von vornherein eine sichere Bank, das unserem Tagesmotto ("Keine Experimente!") voll entsprach. Der Kuchen war schön saftig, der Boden zart und trocken. Die Preiselbeertorte stellte sich für meinen Geschmack ein bisschen zu sahnig heraus - ganz so bedrückt war ich dann doch nicht. Aber auch hier gab es nichts auszusetzen: ein leckerer Boden, locker geschlagene Sahnecreme darüber und eine hauchdünne Schicht Preiselbeermus - Sahnefans sehr zu empfehlen. Als Getränke wählten wir einen Caro-Milchkaffee und ein Kännchen Tee. Beim Tee gibt es bei Buchwalds leider Gottes ja keine Auswahl - nicht auszudenken, wie oft ich hier wäre, wenn es lose Tees (zum Beispiel einen aromatischen Earl Grey) geben würde. Aber auch ohne ist der nächste Besuch schon jetzt fest geplant.

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