Berlin : Tortenschlacht: Café Hardenberg in Charlottenburg

Deike Diening

Einige kommen wegen der Spaghetti. Andere wegen der Spaghettiträger und manche wegen einzelner Spaghettiträgerträgerinnen. So ist in vielerlei Hinsicht das Café Hardenberg ein studentisches Café. Es lungert direkt gegenüber der TU Mensa, ist gehörig verschrammelt und hat eine eigene U-Bahn-Werbetafel. Auf den roten Samtbezügen der Bänke sitzen nach Art der Studenten Menschen mit angezogenen Knien und reden und schreiben und stellen weiter keine Fragen. Der Raum ist hoch und voll, mit einem alten Klavier und einer Empore, er hat Holzstühle und ist öfter mal verraucht.

Das Hardenberg nennt sich Café und erfüllt auch hervorragend die soziale Funktion eines Cafés: ungedrängt darf man lange bleiben und es wird mehr und in größeren Gruppen geredet als an anderen Kuchenumschlagplätzen der Stadt. Aber wegen des Kuchens selbst muss hier niemand hinkommen. Wie ausgesetzte Haustiere zur Urlaubszeit stehen die Kuchenstücke traurig verloren im Glasturm. Schweigen wir über das Stück Erdbeer-Rhabarber-Torte aus diesem gläsernen Hungerturm, schweigen auch über den Kaiserschmarrn, der mit einem guten Exemplar dieser Sorte nicht viel mehr als die Temperatur teilte. Wir tun so, als wären wir aus anderen Gründen hier, und dann kann man viel daran finden, wie man hier so unbehelligt lümmeln kann.

Es stört die Jungs nicht, dass der Service etwas raunzig ist, die Jungs, die im Sommer barfuß in ledernen Bootsschuhen und im Winter in Budapestern kommen. Die karierten Hemden sind Ganzjahresware und statt am Kuchen zu mäkeln, freuen sie sich über die günstigen Preise für die warmen Gerichte, denn an der Uni gegenüber haben sie das Rechnen gelernt. Kuchen ist da nicht so wichtig, warum nicht lieber die Bratkartoffeln aus dem Pfännchen mit Stiel? Die mit den Bootsschuhen werfen einen Blick auf die Spaghettiträgerträgerinnen und man stellt sich vor, säße das Kranzler komplett in dieser Ausstattung da, wäre das ja mal ein hübscher Skandal.

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