Berlin : Tortenschlacht: Café-Restaurant Kern in Schöneberg

Matthias Oloew

Es ist ein Kreuz mit dem Kaffeetrinken nach dem Einkauf. Nachdem Möhring und Kranzler am Kurfürstendamm die Stühle endgültig hochgestellt haben, oder kaum noch nennenswert Platz für Kaffee-und-Kuchen-Kunden haben, sind die Gäste auf die Kaufhaus-Cafés mehr oder weniger angewiesen. Es sei denn, sie entdecken eines der Cafés in den Seitenstraßen der westlichen City. Das Kern ist zum Beispiel mit den Buslinien 146 und 185 zu erreichen. Keine fünf Minuten Fahrt vom KaDeWe und schon ist der Einkaufsstress vergessen. Denn das Kern liegt ruhig in der Fuggerstraße, nicht gerade auffällig, und deshalb ist das kleine Restaurant in jedem Fall eine Entdeckung. Zeit für den Kaffeeklatsch.

So nennt der Wirt folgerichtig sein Sonderangebot. Täglich zwischen 14 und 18 Uhr gibt es ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee für sechs Mark. Angebote dieser Art sind ja meistens bestens dafür geeignet, Skepsis beim verwöhnten Gast hervorzurufen, aber unsere Befürchtungen waren im Nu wie weggepustet. Fünf Torten und Kuchen gab es zur Auswahl. Ich entschied mich für eine solide Schoko-Nuss-Torte, mein Begleiter für die Himbeertorte mit Baiser. Aber auch die anderen Kuchen sahen sehr verlockend aus, zum Beispiel die Rüblitorte.

Nachmittags ist das Kern besonders nett. Von den gut ein Dutzend Tischen war die Hälfte belegt, ein gemischtes Publikum von Schöneberger Herrenrunden bis zu Familienausflüglern aus Mariendorf. Es plätscherte leise Popmusik, es knarrte der Holzboden unter den flinken Füßen des Kellners.

Kaum hatten wir uns niedergelassen, kamen auch schon die georderten Getränke und gleich danach der Kuchen. Beim Tee musste ich auf den Earl Grey aus der Karte verzichten: "gerade aus". Nun ja, beim Anblick auf ein derart großes Stück Kuchen bin ich sehr kompromissbereit. Und die Torten übertrafen unsere Erwartungen bei weitem. Keine allerfeinste Konditorware, dafür aber alle hausgemacht und sehr, sehr lecker. Die Schoko-Nuss-Torte war derart sättigend, dass ich spontan das Abendessen ausließ. Und auch mein Begleiter war sichtlich zufrieden über die längst fällige Stärkung nach dem anstrengenden Einkauf.

Sicherlich erfüllt das Kern nicht die strengen Kriterien eines Kaffeehauses, aber leider sind solche Cafés in Berlin Mangelware. Aber das Kern ist nicht nur Lückenbüßer, sondern eine Entdeckung, wie gesagt.

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