Berlin : Tortenschlacht: Gottlob in Schöneberg

Deike Diening

Gottlob, wird sich Noah gedacht haben als die Sintflut begann, ist die Arche fertiggeworden. Er blieb trocken, zusammen mit den verschiedensten Lebewesen, die es auf der Erde gab. Als am Sonntag eine kleine Sintflut begann, plötzlich und platternd, da gab es das "Gottlob", in der Nähe, und als wir eintrafen, war das Boot sehr voll, so viele verschiedene Arten saßen schon darin.

Einige mit Hut, einige ohne, einige mit Zeitung, welche mit vielen Haaren und welche mit wenigen, Dicke und Schweigende, und Dünne und Kichernde. Einige waren in Paaren, andere allein. Es roch nach nassen Lederjacken. Ein jeder bestellt sich daraufhin, was er gerne aß, denn die Auswahl war groß und vielfältig. Die einen nahmen nur flüssige Nahrung auf, mit Koffein oder ohne, die anderen knabberten sich durch Salathügel und andere wiederum suchten sich aus einem gläsernen Schrank eine Torte.

Eine von vielen, die auf geschliffenen Kristallböden lagen und einander Konkurrenz waren. Eierlikörtorte gab es dort, und Nuss, Pfirsichsahne, Erdbeertorte und Linzer Torte. Die Linzer Torte klebte zwischen den Zähnen. Das muss so sein und ist gut so. Der Boden war sehr zimtig gewürzt. Die Erdbeeren kamen auf festem Grund und wurden mit heißer Schokolade hinab begleitet in den Magen und es gibt wohl keine bessere Art, einer Sintflut zu begegnen als mit einer Sahnehaube auf der Schokolade. Wenn einem der Seegang zu schaffen macht, kann man ja immer noch einen Whisky bestellen.

Draußen konnten auch die Gullydeckel den Regen nicht fassen, und hier drinnen saß man warm unter geschliffenem Glas, den Kronleuchtern, die lüstern von der Decke leuchteten. Man saß zwischen hellen, freundlichen Wänden und Heizungen in warnendem Rot von Angesicht zu Angesicht mit der Apostel-Paulus-Kirche, neben der diese schlichte, edle Arche schwimmt. Sie schwimmt dort auch an sonnigen Tagen, dann kann man auf Deck. Und sie hat guten Kuchen an Bord.

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