Berlin : Tortenschlacht: Salumeria Culinaria in Mitte

Deike Diening

Dies ist ein Feinkostgeschäft, und deshalb sitzt man vor den Dosentomaten und den Teigwaren im Regal, vor den Farfalle und Fusilli, den Fettucelle und Fedelini, den Spaghetti und Capellini. Und herein spazieren die Mützen von Mitte: die gestrickten und die aus Filz, die gewobenen und die mit Zipfeln, das kaninchenfellene und sogar ein lederner Schlapphut. Der dicke Schaum auf dem Cappuccino ist auch eine Mütze, sieht aus wie die weiße Schlafmütze des deutschen Michel.

Die Mützen aus Mitte bestellen also Nudeln und reden in vielerlei Sprachen mit echten Personen und auch mit ihren Handys, mit denen, die sie Eltern nennen und auch den Geliebten. Und manchmal bestellen sie Torten, denn die haben sich einen Ruf erworben, der weit über das hinausgeht, was man sich in einem italienischen Feinkostladen, in dem es warme Mahlzeiten, Schinken und eingelegte Oliven gibt, so ausmalen würde. Die Torten tragen allerdings keine beeindruckende Mützen aus Sahne und Guss, unter der das Innenleben ganz und gar verschwindet. Vielmehr unterscheiden sich die ungeschmückten Kuchen nur in Farbnuancen. Sie offenbaren ihr kostbares und wohlschmeckendes Geheimnis erst dem Gaumen. Der Geschmack und das Besondere stecken eben nicht in der Dekoration.

Selbstgebacken sind sie alle, diese Torten und Kuchen, und nur das amarettotrunkene Stück Mandeltorte schwankt extravagant mit seinen Biskuitschichten und den karamelisierten Mandelscheiben obenauf. "Das Stück Extravaganz für mich! Und für den Herrn hier was Schlichtes." Und jung und schön ist die Bedienung, auch wenn sie da am Tresen ihre Zigarette raucht.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar