Berlin : Tortenschlacht: Wasserwelt

Matthias Oloew

Es soll ja Leute geben, die sich in Schwimmbädern einfach nicht wohl fühlen. Wenn schon plantschen, dann nur im Sommer und ausschließlich im See. Sie stören sich an den gekachelten Räumlichkeiten und - vor allem - am Chlor im Wasser. Mit solchen Leuten sollte man nicht ins "Wasserwelt" gehen, einer Café-Restaurant-Bar-Mischung am Hansaplatz.

"Es stinkt", sagte der Besuch aus Lippstadt in Westfalen bereits am Eingang. "Es stinkt nach Chlor." Tatsächlich war die Duftnote deutlich wahrnehmbar, aber ich hatte das in meinem stets freundlich gesonnenen Gemüt natürlich sogleich als olfaktorische Abrundung des Ambientes verstanden. Vermutlich wurde aber nur das Wasser des Zimmerspringbrunnens damit vesetzt. Blaue Wände, gekachelte Räume, maritime Motive - das "Wasserwelt" setzt seinen Namen bei der Innausstattung effektvoll und konsequent um. Für meine Gäste nichts besonderes, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.

Wir hätten dennoch auf dem Absatz kehrt machen sollen. Nicht, weil der Kaffee nicht geschmeckt hätte. Auch nicht, weil die sevierten Kuchenstücke klein und ungenießbar gewesen wären (mal abgesehen von dem Stück Nuss-Cremetorte, dass in der Mitte noch zart gefroren war). Nein, allein der Duft von Chlor wirkte auf meine Gäste derartig abschreckend, dass sie ihren Aufenthalt bei Kaffee und Kuchen nicht genießen konnten. "Wusstest du, dass Chlor krebserregend ist?" Das stimmt zwar nicht, dominierte aber unsere Unterhaltung.

Lange haben wir nicht im "Wasserwelt" gesessen. Das wiederum lag jedoch nicht am Chlorgeruch, sondern war vor allem der Tatsache geschuldet, dass das Café für einen langen Aufenthalt nicht einladend genug war. "Zu nüchtern", urteilte der Besuch aus dem Westfälischen und schwärmte von heimischen Cafés mit viel Plüsch und viel Sahne im Kuchen. Wie gesagt, über Geschmack lässt sich streiten.

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