Berlin : Torwart trat zu und wurde verurteilt

Kerstin Gehrke

Die 57. Minute. Flanke von rechts außen. Allerdings nicht sauber. Nummer vier von Eintracht Friedrichshagen trifft die Nummer vier von Steglitz GB. Der Schiedsrichter sieht das Foul, pfeift, will die gelbe Karte ziehen. Was dann geschieht, hat nichts mehr mit Fußball zu tun: Ein Friedrichshagener Spieler wird in den Schwitzkasten genommen, ein anderer getreten, ein weiterer flüchtet, von mehreren Steglitzern verfolgt, in ein Wäldchen. Fortgesetzt wurde die Partie gestern vor dem Amtsgericht Tiergarten.

Der Angeklagte: Cemil O., 33 Jahre alt, damals Torwart der Steglitzer. Er soll in dem plötzlichen Chaos auf dem Fußballplatz in Köpenick zur Mittellinie gerannt sein und den bereits am Boden liegenden Kicker mit der Nummer acht aus der gegnerischen Mannschaft in den Nacken getreten haben. Das aber bestreitet der arbeitslose O. vehement. „Ich hatte Probleme mit Nummer sieben, nicht mit der acht.“ Den Mann mit der Sieben auf dem Rücken habe er mit anderen bis in ein angrenzendes Waldstück verfolgt. „Aber nicht angefasst“, sagt O.

Der Schiedsrichter kann sich gut an die Partie der Kreisliga D am 24. Oktober 2004 erinnern: „Der Torsteher ist aus dem Strafraum raus und hat zugetreten.“ Es stand 3:0 für Friedrichshagen, da rief der Schiri „Abbruch" und verschwand in seiner Kabine. „Ich darf da nicht zwischen gehen“, erklärt der 46-Jährige. „Ich bin da nicht versichert.“ Der Mann mit der Nummer acht ist Mittelfeldspieler Oliver K., 22 Jahre alt. „Die Sache ist eskaliert“, sagt er. „Einer von den Steglitzern warf mich um, der Torwart kam dann angelaufen, holte aus und trat zu.“ Eine Verwechslung schließt Oliver K. aus. „Der Torwart war der einzige Spieler mit Schnurrbart.“ Der Tritt hatte schmerzhafte Folgen. Mit Gehirnerschütterung und verschobenem Nackenwirbel musste Tischler Oliver K. eine Woche lang zu Hause bleiben.

Die Richterin greift durch. Der bislang nicht vorbestrafte Cemil O. wird wegen gefährlicher Körperverletzung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. „Wenn man die Regeln der Fairness so verletzt wie Sie, dann sind sechs Monate milde“, sagt sie. Dass er demnächst wieder auf dem Platz steht, ist ausgeschlossen: Das Sportgericht hat eine zweijährige Sperre gegen Torwart O. verhängt.

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