Tote Frau im Koffer in Berlin-Treptow : Angeklagter legt Geständnis ab

Im Juni 2015 fand man in Treptow eine Frauenleiche in einem Koffer. Zum Prozessauftakt hat der 39-jährige Angeklagte Jorge V. nun gestanden, eine 36-jährige Norwegerin im Rausch erstochen zu haben.

Kerstin Gehrke
Vor gut einem Jahr fand man im Treptower Park eine Frauenleiche in einem Koffer. Nun hat der Prozess begonnen.
Vor gut einem Jahr fand man im Treptower Park eine Frauenleiche in einem Koffer. Nun hat der Prozess begonnen.Foto: dpa

Es war ein grausiger Fund: In einem Rollenkoffer wurde am Ufer der Spree die Leiche einer Norwegerin entdeckt. Lene S., 36 Jahre alt. Sie liebte Straßenkunst, die Natur, das Reisen, Bier und Schokolade, wie sie bei Facebook schrieb. Sie wurde Opfer eines Galerie-Betreibers. Fast 15 Monate nach ihrem Tod brach Jorge V. sein Schweigen. Als Angeklagter erhob er sich und begann mit brüchiger Stimme: „Es tut mir unendlich leid.“ Nach Beleidigungen und Drohungen habe er die Kontrolle über sich verloren. „Ich zitterte, ich schlug sie, ich stach auf sie ein.“

Der 39-jährige Jorge V., der vor dem Landgericht als Beruf Schauspieler angab, betrieb in Wedding die Galerie „KulturRaum Paradise“. Sein großer Traum. Doch das Ladengeschäft wurde zum Tatort.

Weltenbummlerin Lene S., mit der er eine kurze Affäre hatte, wohnte im Juni 2015 bei ihm. Sie habe Speed und Alkohol in großen Mengen konsumiert, oft grundlos gelacht oder geschrien. „Ich konnte so nicht weiter mit ihr zusammenleben.“ Er habe verlangt, dass sie auszieht. Sie habe aggressiv reagiert und unter anderem mit einer Anzeige gedroht, weil er keine Arbeitserlaubnis hatte. „Ich fühlte mich in meiner Existenz bedroht“, so V.

Ein Freund half, die Leiche verschwinden zu lassen

Ein Freund von V. war in der Galerie, als es in der Nacht zum 3. Juni 2015 zur tödlichen Messerattacke kam. Mike R., der seit kurzem bei V. untergekommen war, ist nun mitangeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Strafvereitlung vor. Der gelernte Bäcker habe geholfen, die Leiche verschwinden zu lassen. Jorge V. wird Totschlag zur Last gelegt.

Der 39-jährige R. wurde Zeuge der Attacke. Der Chilene und die Norwegerin, die beide Speed konsumiert hätten, seien in einen Streit geraten. Der Fernseher sei gelaufen. Die Frau habe keine Ruhe gegeben. V. sei aufgebracht gewesen und habe erklärt, er könne das „Rumgenerve“ von Lene S. nicht mehr ertragen. Kurz darauf sei es zum Drama gekommen. „Ich sah mehrere Stichbewegungen.“

Sieben Messerstiche, einer tödlich ins Herz. Jorge V. sagte nun, allein seine Idee sei es gewesen, die Leiche verschwinden zu lassen. Die Tote wurde in einen Koffer gezwängt, dieser in einen Rollenkoffer. Per S-Bahn seien sie nach Treptow gefahren. „Ich habe den Koffer in den Fluss geworfen“, so V. Er verschwand danach nach Mexiko, wo er zweieinhalb Monate später gefasst wurde. Der Prozess geht am Montag weiter.

Dem Angeklagten Jorge V. R. wird vorgeworfen, eine norwegische Touristin getötet und in einem Koffer in der Spree versenkt zu haben.
Dem Angeklagten Jorge V. R. wird vorgeworfen, eine norwegische Touristin getötet und in einem Koffer in der Spree versenkt zu...Foto: dpa

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