Berlin : Toter Elefant: "Kiri" kommt ins Naturkundemuseum

Heidemarie Mazuhn,Clemens Wergin

Auch nach seinem Tod bleibt der kleine Elefant "Kiri" Berlin erhalten: Wie Zoo-Tierarzt Dietmar Jarofke gestern informierte, hat sich das Naturkundemuseum in der Invalidenstraße bereit erklärt, das in der Nacht zum vergangenen Donnerstag verendete Tier auszustopfen. Der Zoo habe allerdings zur Bedingung gemacht, dass Kiri öffentlich ausgestellt wird. Wie die Kosten von schätzungsweise 25 000 Mark gedeckt werden können, ist noch unklar.

Der Kadaver des neun Monate alten asiatischen Elefantenbullen war am Donnerstag ins Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen (ILAT) gebracht worden, um die Todesursache zu ermitteln. Alles deute auf eine Herpes-Virusinfektion hin, sagte der Tierarzt. Auch der Erzeuger von "Kiri" war 1998 an Herpes verendet. Der kleine Bulle war zwar negativ getestet worden, aber dies sagt nichts darüber aus, ob sich das Virus im Körper befindet. "Kiri" wurde im Zoo ständig überwacht, beim geringsten Anzeichen einer Krankheit hätte man schnell reagieren können. Tragischer Weise blieb solch ein Anzeichen aus. Die Feststellung einer regelmäßigen Besucherin, "Kiri" habe am vergangenem Mittwoch "geschwollene Gelenke" gehabt, sah Vorstandsmitglied Heiner Klös nicht im Zusammenhang mit dem plötzlichen Tod des Tieres. "Elefanten haben wie Menschen auch immer mal Probleme mit den Beinen, das kann vom Rangeln kommen oder sie haben sich vertreten". Endgültige Aussagen über die Todesursache können erst nach den für nächste Woche erwarteten Laborergebnissen gemacht werden.

Trauergemeinden und Blumengebinde für "Kiri" gebe es nicht zu melden. "Tote Tiere besucht man nicht", sagte Heiner Klös, "wir haben ja den kleinen Elefanten nicht aufgebahrt". Derweil besteht wieder Hoffnung auf Elefanten-Nachwuchs: Der siebenjährige asiatische Bulle "Victor", der im September aus Israel kam, soll 2001 "mannesreif" sein. Frühestens 2003 könnte es also wieder einen kleinen Dickhäuter-Star im Zoo geben - etwa 22 Monate trägt eine Elefantenkuh ihren Nachwuchs aus.

Leider hatte der Berliner Zoo bisher wenig Glück mit Elefantennachwuchs - ohnehin nur fünf Jungtiere in 156 Jahren. Die Anfang des 19. Jahrhunderts geborene Editha starb schon nach wenigen Wochen. Kalifa, 1928 geboren, lebte "nur" zehn Jahre. Sie hatte sich in ihrem Gehege Verletzungen zugezogen. Indra verendete im Alter von fünf Jahren im Bombenhagel vom 22. November 1943. Als Orje 1936 mit zwei Jahren an einer bakteriellen Infektion einging war die Trauer so groß, das man ihm ein Steindenkmal widmete: Das Portrait des Jungbullen steht heute vor dem Elefantenhaus. Keine Seltenheit im Zoo, schließlich hat die Liebe der Berliner schon so manchem Tier zu bleibendem Nachruhm verholfen. Zuletzt dem legendären Nilpferd Knautschke, das im Kriegsjahr 1943 geboren wurde und zu den 91 Tieren gehörte, die die Bombenangriffe überlebten. Knautschke wurde nach seinem Tod 1988 für die naturkundliche Abteilung des Charlottenburger Museums präpariert, ein Abguss des Kolosses steht heute vor dem Flusspferdhaus. Ähnlich erging es Gorilla Bobby, der 1935 starb: Er steht heute ausgestopft im Naturkundemuseum und als Steinskulptur vor dem Affenhaus.

Dabei ging es beim Präparieren von Zootieren zunächst nicht darum, Publikumslieblinge zu verewigen. Vielmehr sollten Tiere, die man in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts aus den damaligen deutschen Kolonien importierte, wissenschaftlich dokumentiert werden. "Manche Tiere wurden so in Berlin überhaupt zum ersten Mal beschrieben", sagt Klös. 1880 landete ein Quagga-Zebra allerdings aus anderen Gründen im Naturkundemuseum: Es war das Vorletzte seiner Art.

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