Berlin : Toter Taxifahrer: Reagierte das Gesundheitsamt zu spät?

Die Reinickendorfer Amtsärztin wusste offenbar früher von dem Meningitis-Tod eines 60-Jährigen, als sie zugibt

Fatina Keilani

Es mehren sich Hinweise, wonach das Gesundheitsamt Reinickendorf im Meningitis-Todesfall eines 60–Jährigen unzureichend reagiert hat. Wie berichtet, war der Mann, von Beruf Taxifahrer, am 19. Januar an einer Meningokokken-Meningitis gestorben. Am Vortag, einem Samstag, war er ganz normal Taxi gefahren. Reinickendorfs Amtsärztin Margit Engelmann-Renner hatte es danach nicht für nötig gehalten, Personen ermitteln zu lassen, die im Laufe seines Arbeitstages mit ihm zu tun hatten, um sie vorbeugend mit Antibiotika zu behandeln. Dem Tagesspiegel sagte Engelmann-Renner gestern, sie habe erst zwei Tage nach dem Tod des Mannes per Fax von seiner Erkrankung und zugleich auch von seinem Tod erfahren.

Diese Angabe weisen eine nahe Verwandte des Toten und die Sprecherin des Krankenhauskonzerns Vivantes, Fina Geschonnek, als falsch zurück. „Das kann nicht sein. Wir haben schon am Montag von einem Arzt auf Anweisung des Gesundheitsamtes Antibiotika bekommen“, sagt die Familienangehörige. „Die zuständige Oberärztin hat sofort am Montag mit Frau Engelmann-Renner über diesen Fall gesprochen“, sagt Geschonnek. Das sei auch nötig gewesen, denn die Frist für die Meldung betrage 24 Stunden. Am nächsten Tag sei dann noch das Fax gesendet worden.

Das Krankenhaus erfüllte offenbar auch einen erheblichen Teil der Aufgaben, die eigentlich Sache des Gesundheitsamts gewesen wären, darunter die Ermittlung der Personen aus dem Umfeld des Verstorbenen, die mit Antibiotika versorgt werden mussten. „Andere gefährdete Personen zu ermitteln, etwa die letzten Fahrgäste des Mannes, ist nicht unsere Aufgabe, sondern die des Gesundheitsamtes“, sagte Geschonnek.

Dort aber hielt man das nicht für notwendig. Engelmann-Renner war sich gestern gewiss, alles richtig gemacht zu haben. Das werde schon dadurch bewiesen, dass keine weiteren Fälle aufgetreten seien, sagte sie. Außerdem habe der 60-Jährige an seinem letzten Arbeitstag noch keine Symptome der Krankheit gehabt, sei also nicht ansteckend gewesen. Erst in der Nacht zu Sonntag habe er hohes Fieber bekommen. So lange aber keine Symptome erkennbar seien, befinde man sich noch in der Inkubationszeit; eine Ansteckung sei dann ausgeschlossen.

Ob dies im Falle des Taxifahrers wirklich zutrifft, ist zumindest fraglich. Der Mann hatte nämlich nach Angaben seiner Angehörigen am Vorabend seines letzten Arbeitstages Durchfall gehabt, den er sich aber damit erklärte, dass er verschiedene Leckereien durcheinander gegessen hatte. Am nächsten Tag ging es ihm wieder gut. Rückblickend könnte dieser Durchfall jedoch ein erstes Symptom gewesen sein. Selbst wenn es höchst unwahrscheinlich ist: Ob der Mann im Taxi ansteckend hätte sein können, blieb ungeklärt.

In Berlin gab es im vergangenen Jahr 34 Meningitis-Fälle, davon vier mit tödlichem Ausgang, im Vorjahr waren es 43 Fälle, davon vier tödlich. Im Vergleichszeitraum gab es im vergangenen Jahr sechs Fälle, in diesem Jahr sind es schon zwölf. Die Erkrankung tritt vor allem gegen Ende der Wintermonate auf, da nach der kalten Periode mit oft vitaminärmerer Ernährung das Immunsystem der meisten Menschen geschwächt ist und sie deshalb anfälliger sind.

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