Tour durch Marzahn : Die Buslinie 192 ist die heimliche Attraktion in Berlin

Die BVG will einen neuen Elektrobus testen, der am Stadtrand bisher weitgehend unbemerkt herumfährt. Dachten wir. Die BVG spricht nun von "vielen Sehenswürdigkeiten" entlang der Strecke. Na, das schauen wir uns doch mal genauer an.

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Oooh. Aaah. Wer mit dem 192er herumfährt, kann so einiges sehen von Berlin. Zum Beispiel das Eastgate. Foto: Thilo Rückeis
Oooh. Aaah. Wer mit dem 192er herumfährt, kann so einiges sehen von Berlin. Zum Beispiel das Eastgate.Foto: Thilo Rückeis

Nun soll es also der 192er sein, der in ein paar Jahren elektrisch fährt. Wie berichtet, hat der Aufsichtsrat der BVG für das Modellprojekt die Linie zwischen den S-Bahnhöfen Friedrichsfelde Ost und Marzahn auserkoren, weil die mit ihren zehn Kilometern Länge wenig störanfällig sei und „auch viele Sehenswürdigkeiten in diesem Gebiet verbindet“. Da im Haltestellenplan nur „Feierabendheim“, gleich zweimal (mit drei Minuten Fahrzeit dazwischen) „Roßlauer Straße“ sowie die Stops „Hinter der Mühle“ und „Rebhuhnweg“ hervorstechen, sind also etwas DDR, eine Pirouette, eine Mühle und Federvieh zu erwarten.

Die knapp halbstündige Tour längs durch Marzahn – noch fossil befeuert im Diesel-Schlenki – erfüllt die Erwartungen: Vom südlichen Startpunkt fährt der Bus an Zehngeschossern vorbei auf die autobahnähnlich erschlossene Straße Alt-Friedrichsfelde, entlang deren reklamevertäfelter Böschungen Berlin wie Irkutsk aussieht. Hinter der nächsten Ausfahrt Plattentürme am Horizont und viel Spontanvegetation. Dann die Schleife zwischen Roßlauer Weg und Roßlauer Weg. Sie erschließt den Bahnhof Biesdorf. Ein Parkplatz, Anne’s Blumen-Pavillon, Bistro am Schlosspark. Aha! Schloss Biesdorf, dessen Wiederbelebung als Kulturstätte läuft, liegt jenseits der Bahntrasse. Der 192er fährt stracks nordwärts weiter durch die Oberfeldstraße. Mittelgroße Straßenbäume zwischen mittelgroßen Häusern verschiedener Epochen prägen diesen längsten Teil der Tour. An der Cecilienstraße spielt der Frauenfußballclub Berlin 2004. Hoffentlich behandeln die abreisenden Fans den 192er pfleglich.

An der Allee der Kosmonauten folgt wieder Platte, die fast bis ins All reicht. Wer im richtigen Moment nach links schaut, sieht mittendrin das alte Dorf, und Hinter der Mühle ist bei günstigem Wind sogar vor der Mühle. Dann die Zielgerade. China-Restaurant Neu Wuzhou, Hühnchen ab 6 Euro, wenn auch kein Rebhuhn. Endstation ist am Einkaufszentrum Eastgate, das außen wie eine riesige Heftklammer aussieht und innen wie üblich. Genug gestromert.

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