Tourismus in Berlin : Reisebusse sollen raus aus der Innenstadt

Der Verband Industrieller und Kaufleute will Zufahrtskontrolle für Reisebusse in der Berliner Innenstadt. Doch nicht nur Tourismuswerber, sondern auch andere Wirtschaftsvertreter sind skeptisch.

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Der Zentrale Omnibusbahnhof am Messegelände immerhin verkehrsgünstig an der Autobahn gelegen. Für die meisten touristischen Highlights in Berlin gilt das nicht.
Der Zentrale Omnibusbahnhof am Messegelände immerhin verkehrsgünstig an der Autobahn gelegen. Für die meisten touristischen...Foto: dpa

Sie bringen Touristen – und damit auch Geld – nach Berlin. Und nach Ansicht des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) auch Chaos: die Reisebusse aus dem In- und Ausland. Haltende, parkende oder wendende Busse behinderten den Verkehrsfluss massiv, Lärm- und Schadstoffemissionen belasteten zunehmend Mensch und Umwelt, erklärte der VBKI am Freitag. Er fordert deshalb eine Zufahrtskontrolle für die Innenstadt; neudeutsch „City-Ban light“ genannt.

„Einfahrtskarten“, im Internet bestellbar, sollen den Verkehr regulieren und nur einer bestimmten Zahl von Bussen, abhängig vom Verkehrsaufkommen, die Fahrt ins Zentrum erlauben, schlägt Dirk Luthe, Leiter des Arbeitskreises Verkehr im VBKI, vor. Zwischen 19 Uhr und 8 Uhr sei ein generelles Parkverbot für Reisebusse im Zentrum wünschenswert.

Kostenpflichtige Einfahrtskarten

Für dieses Konzept müssten Parkplätze am S-Bahn-Ring geschaffen werden, die unmittelbar an das S- und U-Bahn-Netz angeschlossen sind, sagte Luthe weiter. Finanzieren will er die Kosten der auszubauenden Infrastruktur mit den Einnahmen aus den kostenpflichtigen „Einfahrtskarten“.

Vorbild ist Wien. Seit Mai 2014 sind dort im innersten City-Bereich Busfahrten untersagt. Nur Zu- und Abfahrten zu Hotels, Restaurants und Veranstaltungsorten sind erlaubt – mit einer vorher erworbenen „Einfahrtskarte“, die 15 Euro kostet und bis zum Jahresende gilt.

Für die Museumsinsel liegt schon ein Konzept in der Schublade - für später

Auf keine Gegenliebe stößt der Vorschlag der Kaufleute und Industriellen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Deren Vorsitzender des Tourismus-Ausschusses, Hans-Jörg Schulze, erklärte, die Forderung klinge zunächst charmant – sie sei aber weder neu noch richtig. Auch die IHK vermisse ein intelligentes Buskonzept für die gesamte Stadt – „mit digitaler Steuerung für Verkehre und Parken“, wie es beispielsweise für die Museumsinsel bereits entwickelt sei. Die IHK sei aber „ganz klar“ gegen das Verbannen der Reisebusse aus der Innenstadt, auch in der abgespeckten Version des VBKI. Der Reisebusverkehr sei eine der zentralen Säulen des Berlin-Tourismus und Berlin sei weltweit dafür bekannt, eine busfreundliche Stadt zu sein. Auch der Sprecher von Visit Berlin, Christian Tänzler, sagte, der Reisebusverkehr sei ein wichtiger Faktor im Tourismusgeschäft. Man könne sicher darüber sprechen, wie der Verkehr gelenkt werden könne, der VBKI sei aber mit seinem Vorschlag „über das Ziel hinausgeschossen“. Zusammen mit der IHK erstellt Visit Berlin regelmäßig einen „Reisebegleiter“ für Busfahrer, unter anderem mit Hinweisen auf Parkplätze.

Wiener Modell kann nicht übertragen werden

Die Senatsverkehrsverwaltung habe bereits Untersuchungen zum Lenken des Reisebusverkehrs beauftragt, sagte Sprecherin Petra Rohland. Dabei gehe es vor allem um Orte mit hohen Besucherzahlen – wie die Museumsinsel, den Gendarmenmarkt oder die Arena am Ostbahnhof. Das Wiener Modell mit der relativ kleinen Busverbotsfläche in der Innenstadt könne aber nicht auf das polyzentrische Berlin übertragen werden.

Für die Museumsinsel gibt es ein Konzept zum Steuern des Busverkehrs nach der Eröffnung des Humboldtforums. Busfahrer müssen sich anmelden und erhalten ein „Zeitfenster“ für den Ausstieg. Danach müssen sie zu entfernteren Parkplätzen fahren und dürfen erst zum Einstieg zurückkommen. Ähnliches war für das Riesenrad am Zoo geplant. Kostenpflichtige „Einfahrtskarten“ sind dabei nicht vorgesehen.

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