Tourismus-Messe : Libyen wirbt auf der ITB um Urlauber

Urlaub in Libyen? Nein danke, dürfte die spontane Reaktion der meisten Menschen derzeit lauten. Dennoch präsentiert sich das Land ab Dienstag auf der weltgrößten Tourismus-Messe in Berlin. Und in der City West wird gegen Gaddafi demonstriert.

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Protest mit Plakaten. Die Demonstranten trafen sich am Breitscheidplatz.
Protest mit Plakaten. Die Demonstranten trafen sich am Breitscheidplatz.Foto: Kai-Uwe Heinrich TSP

Urlaub in Libyen? Nein danke, dürfte die spontane Reaktion der meisten Menschen derzeit lauten. Dennoch will sich Libyen ab Dienstag offenbar weiterhin auf der weltgrößten Tourismus-Messe, der ITB in Berlin, präsentieren. 21 Aussteller listet deren Verzeichnis auf, darunter Reisebüros, Fluglinien, Hotels und die Tourismusbehörde des Landes. Die meisten Aussteller haben ihre Stände in Halle 21, in Nachbarschaft zu anderen arabischen und afrikanischen Ländern.

Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Region. Auf der Internetseite heißt es: „Vor dem Hintergrund anhaltender Unruhen und Meldungen über kriminelle Überfälle im ganzen Land warnt das Auswärtige Amt vor Reisen nach Libyen. Deutsche Staatsangehörige in Libyen werden mit Nachdruck aufgefordert, das Land zu verlassen, sofern dies möglich und sicher erscheint.“ Auch in Algerien und Tunesien seien Reisende erhöhter Anschlags- und Entführungsgefahr ausgesetzt.

Für den Tourismus dürfte entscheidend sein, wie die Länder aus der Umbruchphase hervorgehen. Gelingt es dort, die öffentliche Ordnung wieder herzustellen und Frieden und vielleicht gar Freiheit dauerhaft zu sichern, kommen erfahrungsgemäß auch die Touristen wieder – so war es bisher immer. Die arabische Welt hält zahllose Sehenswürdigkeiten bereit und lockt mit schönen Hotels und orientalischer Gastfreundlichkeit.

Für Freiheit kämpfen nach den Ägyptern und Tunesiern jetzt auch viele Libyer. Um sie gegen den Diktator Gaddafi zu unterstützen, hatte die libysche Gemeinde für Sonntag erneut zur Demo auf dem Breitscheidplatz aufgerufen, konnte aber nicht viele Teilnehmer mobilisieren.

„Wo ist denn hier die Demo?“, fragte die 16-jährige Maira Ibrahim die beiden anwesenden Polizisten. „Die suchen wir auch“, war die Antwort. Zehn waren bei der Polizei angemeldet, so viele wurden es auch. Die Polizisten kontrollierten aus Langeweile Radfahrer, während die Demonstranten still Pappschilder hochhielten. Was motiviert eine 16-jährige Schülerin, sich am Sonntag hierher zu begeben? „Ich bin der Meinung, wir sollten uns für andere Länder genauso einsetzen wie für unser eigenes“, sagt Maira Ibrahim. „Es geht ja um die Menschen, und die haben überall die gleichen Rechte“, sagt die Deutsch-Ägypterin. Dass es sich lohne, für den Wandel in Nahost auch in Berlin auf die Straße zu gehen, habe sie an den Reaktionen aus Ägypten gemerkt. Von dort hätten sich einige bedankt. Es werde also wahrgenommen. Fatina Keilani

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