Berlin : Touristen fliegen auf Berlin – bis die Airports bersten

Berlin erwartet einen neuen Besucherrekord. Verkraften Tegel und Schönefeld den Boom?

Stefan Jacobs

Der Berlin-Tourismus boomt wie nie zuvor: Von Januar bis April besuchten rund 17 Prozent mehr Gäste die Stadt als ein Jahr zuvor, berichtete gestern die Berlin Tourismus-Marketing (BTM), die im laufenden Jahr mehr als 5,5 Millionen Besucher in der Stadt erwartet. Begrenzt werden könnte der Boom nach Ansicht des BTM-Aufsichtsratsvorsitzenden und Hoteliers Dietmar Otremba allerdings von den Kapazitäten der Flughäfen: Wenn Tempelhof wie geplant geschlossen würde, sei spätestens 2008 die Kapazitätsgrenze von Tegel und Schönefeld erreicht. Schon bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 dürfte das Land die Schließung von Tempelhof bereuen, warnt Otremba: Der Andrang zu Eröffnungsparty und Finale sei ohne den dritten Flughafen kaum zu bewältigen.

„Geb’s Gott, dass sie die Leute ranbringen, wir fertigen sie gern ab!“, kontert Rosemarie Meichsner, Sprecherin der Berliner Flughäfen. In Schönefeld könnten 2010 – noch ohne den Ausbau – sieben Millionen Passagiere abgefertigt werden. Aktuell seien es rund drei Millionen. Und selbst Tegel habe – etwa am frühen Nachmittag – noch freie Kapazitäten.

Meichsner widerspricht auch Otrembas Darstellung, wonach die vom Land angegebenen 15 Millionen Euro Jahresverlust von Tempelhof „definitiv falsch“ seien und auf unseriöser Kalkulation beruhten: Selbst in Jahren, als dort noch über eine Million Passagiere an- und abreisten – also mehr als doppelt so viele wie 2003 –, habe der Flughafen Verluste gemacht. Weil das Minus zu 60 Prozent aus dem Verkehr stamme, würde es sich bei einer Schließung deutlich verringern. Ein unabhängiger Gutachter habe die Berechnung geprüft, sagt Meichsner.

Der rege Betrieb auf den Flughäfen ist nach Angaben der BTM vor allem den privaten Berlin-Besuchern zu verdanken, die auch das anhaltend schlechte Tagungs- und Kongress-Geschäft der Hoteliers teilweise kompensierten.Vor allem aus dem Ausland kämen immer mehr Besucher – mit besonderem Zuwachs aus den USA, Großbritannien, Italien, Österreich und China. „Und das MoMA ist das Sahnehäubchen“, sagt BTM-Geschäftsführer Hanns Peter Nerger. Die BTM hat darauf reagiert, indem sie in ihrem „Cooltour“-Sommerprogramm ein Komplettpaket inklusive MoMA-Ticket anbietet. Die Angebote, die im Internet unter www.ab-nach-berlin.de zu finden sind, werden auf 400000 Flyern, in den Medien sowie bei der Bahn beworben.

Während das Sommergeschäft anläuft, plant die BTM bereits den „Winterzauber“, der möglichst bis ins neue Jahr überdauern soll. Deshalb werde mit Weihnachtsmarktbetreibern über eine Verlängerung des Budenzaubers verhandelt. Bei ihren Bemühungen um mehr Touristen hat die BTM neben dem Senat auch die Hoteliers auf ihrer Seite: Allein in diesem Jahr werde die Zahl der Betten um zehn Prozent wachsen. Zurzeit sind es 76000 – zu viele selbst für den größten Boom.

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