Berlin : Touristen müssen unten bleiben

Cay Dobberke

SAP bucht Berliner Wahrzeichen drei Tage lang für Kundenveranstaltungen und Besprechungen - beim Reichstag war der Softwarekonzern abgeblitztCay Dobberke

Die Messe Berlin hat den gesamten Funkturm vom 23. bis 26. Mai an den Softwarekonzern SAP vermietet. Das Berliner Wahrzeichen wird an drei Tagen für die Öffentlichkeit geschlossen. Anlässlich der Ausstellung "Internet World" auf dem Messegelände veranstaltet SAP einen Kongress namens "Sapphire" in mehreren Hallen und im ICC. Für die bis zu 9000 erwarteten Teilnehmer sind im Funkturm-Restaurant "Kundenveranstaltungen und Besprechungen" geplant. Unzugänglich für die Allgemeinheit bleiben auch die Aussichtsplattform und das Bistro am Fuße des Turms.

Die "exklusive" Vermietung des Turms sei "ungewöhnlich", gehe aber auf den besonderen Wunsch von SAP zurück, hieß es aus der Messegesellschaft. Einen genauen Mietpreis gebe es nicht, sagte SAP-Sprecher Gerhard Rickes. Man habe ein "Pauschalpaket" für Teile des Messegeländes und 3000 Quadratmeter im ICC ausgehandelt. Im Funkturm-Restaurant kann jeder nicht nur Tische reservieren, sondern auch das ganze Lokal mieten. Als "Verhandlungsbasis" gelten 8000 Mark, der Preis schwankt je nach Verzehr. Die Aussichtsplattform bleibt normalerweise geöffnet. Allerdings ist der Zugang auch bei Messen wie Tourismusbörse oder Grüner Woche eingeschränkt. Nur mit Eintrittskarten gelangt man dann in den Innenbereich mit dem Funkturm. Sonst könnten dessen Besucher unbefugt in die Messehallen kommen, denn der Weg zum Turm führt durch einen Verbindungsflur.

Die Berlin Tourismus Marketing GmbH nannte die Sperrung "bedauerlich", zumal der Mai die Hauptsaison für Berlin-Besucher sei. Sprecherin Natascha Kompatzki relativierte aber die Bedeutung des Funkturms, der in den Vorjahren durchschnittlich rund 120 000 Besucher anlockte: "Er ist nicht die Top-Attraktion und steht nicht für das neue Berlin. Es ist wesentlich bedauerlicher, wenn die Reichstagskuppel eine Woche geschlossen bleibt." Dorthin seien 1999 mehr als zwei Millionen Besucher gekommen. Die Kuppel müsse bis zu viermal jährlich gesperrt werden, damit Fensterputzer innen reinigen können. Die Tourismus-Werber beklagen unzureichende Ankündigungen der Bundestagsverwaltung: "Wir bekommen das sehr kurzfristig mitgeteilt. Die letzten beiden Male haben wir es den Medien entnommen." Es gebe viele Beschwerden von überraschten Berlin-Besuchern, die am Reichstag vor verschlossenen Türen gestanden hätten.

Im Reichstag ist nur das "Käfer"-Restaurant mietbar. Das musste auch SAP feststellen: Die Softwarefirma versuchte erfolglos, den Plenarsaal oder andere Bundestagsräume für eine Pressekonferenz zu mieten.

Im Fernsehturm am Alex werden das "Telecafé" und die so genannte Panorama-Etage vermietet, allerdings immer nur für ein paar Stunden und meistens abends. Anfragen für eine tagelange Exklusivnutzung habe es noch nie gegeben, sagte Margot Jäckel von der "TV-Turm Alexanderplatz Gastronomiegesellschaft". Dann hätte sicher auch die Telekom als Turmeigentümer ein Wort mitzureden. Das Café zu mieten, kostet pauschal 2000 Mark plus fünf Mark "Auffahrtgebühr" pro Person. Wird zusätzlich die Aussichtsetage samt Bar beansprucht, steigt die Pauschale auf 4500 Mark. Nach Angaben der Betreiber zählen Abteilungen des Bundestags zu den besten Kunden.

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