Berlin : Touristenmagnet Hackesche Höfe: Riesenverlust trotz Riesenerfolgs

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Von Ralf Schönball

und Daniel Rhée-Piening

Die Hackeschen Höfe, eines der bekanntesten Wahrzeichen Berlins und jedes Jahr Anlaufstelle für unzählige Touristen, haben wirtschaftliche Probleme. Die Einnahmen sind offenbar nicht ausreichend, um die Zinsen für den mit einem Kredit der Landesbank aufwändig renovierten Altbau bezahlen zu können. Den Gewerbetreibenden drohen saftige Mieterhöhungen.

Die Sanierung der 1908 im Jugendstil errichteten Häuser hatte der Immobilien-Unternehmer Roland Ernst Mitte der neunziger Jahre betrieben. Der ehemalige Miteigentümer ist heute insolvent, in einem Betrugsprozess in Bochum wurden gerade vier Jahren Haft beantragt. Ernst und seine Partner hatten von der Landesbank Berlin 37 Millionen Euro für die Sanierung der acht Höfe am Hackeschen Markt erhalten. Internen Unterlagen der Bankgesellschaftstochter zufolge bestehen bei diesen Krediten nun „erhöhte latente Ausfallrisiken“.

Derzeit reichen die Mieteinnahmen nicht, um die Zinsen zu bezahlen, heißt es in Bankunterlagen. Deshalb wollen die elf Eigentümer den Gewerbetreibenden in den Höfen Staffelmieten aufbrummen, also jährlich den einen oder anderen Euro auf die Monatsmiete draufschlagen. Ob diese Strategie aufgeht, ist in Maklerkreisen umstritten: Büros und Läden sind in vielen Teilen Berlins immer billiger zu haben. Und Gewerbemieter sowie die Architekturgalerie Aedes oder die Varietébühne Chamäleon, die sich der Förderung junger Künstler verschrieben hat, dürften kaum in der Lage sein, mehr Geld zu zahlen. Ähnliches gilt für das Programmkino: Die vorgeführten Autorenfilme lassen die Kassen nicht so laut klingeln wie Hollywood-Streifen mit Starbesetzung. Sollten die Eigentümer die der Bank gegenüber angekündigten Staffelmieten durchsetzen, könnte dies die Kino- und Theater-Betreiber ins Aus manövrieren.

„Wir könnten die Gewerbeflächen leicht an andere Firmen für das Drei- bis Vierfache vermieten“, sagt Höfe-Verwalter David Kastner, „aber wir wollen unser anspruchsvolles Konzept durchhalten“. Über das Loch in der Kasse seiner Auftraggeber, der Gesellschafter der Hackeschen Höfe, mag Kastner nicht reden. Nur so viel: „Wenn die Landesbank Berlin einen sicheren Kredit hat, dann ist das unserer.“

Auch bei der der Deutschen Real Estate, die als wichtigster Nachfolger von Roland Ernst knapp 50 Prozent der Anteile übernahm, ist von einem „guten Investment“ die Rede, „an dem wir festhalten“. Vorstandsmitglied Busso von Alvensleben räumte gegenüber dem Tagesspiegel jedoch ein, dass die Höfe bezuschusst werden müssen.

Weil die Deutsche Real Estate eine börsennotierte Aktiengesellschaft ist, sehen die Wirtschaftsprüfer der Landesbank ein „akutes Ausfallrisiko“ bei den Krediten zwar „derzeit nicht“ gegeben. Verluste für die Bank schließen sie jedoch nicht aus. Denn über die Bonität der anderen Höfe-Eigentümer, also über ihr Vermögen und ihre Zahlungskraft, weiß man im Geldhaus nichts Genaues: Drei Miteigentümer weigerten sich nämlich, ihre Vermögensverhältnisse offen zu legen. Warum die LBB ihnen dennoch Kredit gab und damit gegen Gesetze der Bankenkontrolle verstieß, bleibt das Geheimnis des Kreditinstituts. Sicher ist, dass im Fall der Insolvenz eines weiteren Eigentümers neben Roland Ernst die Landesbank erneut Millionen in den Wind schreiben kann. Denn jeder der elf Eigentümer haftet für seinen Anteil am Schuldenberg der Hackeschen-Höfe-Gesellschaft. Und für Kredite über 5,6 Millionen Euro hat die Landesbank Berlin keine Sicherheiten von den Eigentümern bekommen.

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