Townhouse-Projekt : Garten auf Garage

Das Hauptproblem dieses Townhouse-Projektes war das fehlende Licht. Jetzt ist der Garten hell erleuchtet, denn der gemeinsame Innenhof der Anlage mit 23 Reihenhäusern liegt auf der Garage.

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„Für mehr Licht mussten wir die Distanz zum Himmel verkürzen“, sagt Architekt Zander. Foto: Mike Wolff
„Für mehr Licht mussten wir die Distanz zum Himmel verkürzen“, sagt Architekt Zander.Foto: Mike Wolff

Worum es geht, sieht man am besten, wenn man einige Meter in die Meyerheimstraße hineingeht, sich dann umdreht und das Grundstück in der Zelterstraße aus der Entfernung betrachtet: 100 Meter lang, aber nur 34 Meter breit, dazu die Straßenfront nach Norden – eine schlauchartige Fläche, eingekeilt zwischen mehr als 20 Meter hohen Brandwänden an zwei Seiten. Die Herausforderung an die Architekten: Helle Wohnungen zu bauen und bei insgesamt 45 großzügigen Domizilen immer noch genug Licht für den Garten im Innenhof zu lassen. Es hat funktioniert.

Das Vorderhaus mit seinen 23 Reihenhäusern ist flach, umfasst vier Geschosse. Das Hinterhaus hat zwei Stockwerke mehr und ist aufgeteilt. Die unteren drei Etagen für die zehn Gartenhäuser mit Balkonen, die oberen drei für die Penthousewohnungen. „Licht und Sonne waren die große Herausforderung“, sagt Sascha Zander, einer der beiden verantwortlichen Architekten des Architekturbüros „Zanderroth“.

Wie sie gelöst wurde, lässt sich bei Andreas Leipold, Eigentümer eines der 23 Townhouses an der Zelterstraße, nachvollziehen: Nur etwa 3,5 Meter ist sein Reihenhaus breit, wenn er die Haustür an der Zelterstraße öffnet und einmal durch sein Haus geht, endet sein Weg im Erdgeschoss vor einer Tür. Dahinter verbirgt sich die Tiefgarage, unmittelbar vor den Türen der Eigentümer stehen die Autos, in Leipolds Fall ein Ford Taunus Oldtimer.

Architekturpreis 2013
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Aber eine Etage höher, auf der Decke der Tiefgarage, liegt ein gemeinsamer Innenhof, ein Garten von 95 Metern Länge und zwölf Metern Tiefe. „Für mehr Licht mussten wir die Distanz zum Himmel verkürzen“, sagt Architekt Zander. So liegt der Garten im ersten Obergeschoss, alle Townhouses, wie auch die Gartenhauswohnungen, haben einen direkten Zugang zum Garten, zu Sandkisten, Klettergerüst und Sitzecken.

Mit einer Bewässerungsanlage wie auf einem besseren Fußballplatz, kleine Düsen, die im Sommer den Rasen sprengen und die Bäume mit den lichtdurchlässigen Blättern und die Büsche.

„Etwa 70 Erwachsene wohnen hier“, sagt Leipold, ein 49-jähriger Bauingenieur mit Tochter. Aber auch 60 Kinder, die meisten von ihnen im Vorschulalter. Das beste Alter also, um in solch einem Garten zu spielen. „Wir haben bei der Gartenplanung darauf geachtet, dass kein zentraler Spielplatz entsteht, wo der dort Wohnende im Extremfall 60 spielende Kinder vor der Tür hat“, sagt Leipold. Deshalb sind die Spielgeräte dezentral angelegt, kleine Hügel geben der Fläche zusätzlich Kontur.

Die Menschen, die hier leben, begegnen sich häufig. Entweder im Innenhof, den die Bewohner des Hinterhauses durch einen separaten Eingang im Vorderhaus überqueren, oder aber auf der gemeinschaftlich zu nutzenden Dachterrasse, die auf dem Dach der Penthouses entstanden ist – mit Feuerpfanne und Grill. Auf dem Weg zur Dachterrasse haben die Bewohner demnächst auch die Möglichkeit zu einem Saunabesuch, die in einen noch freien Raum neben dem Treppenhaus gebaut wurde.

Möglich werden die vielen Gemeinschaftsräume auch durch die Eigentümerstruktur: eine Baugruppe. Anfangs waren es etwa zehn Leute, alle miteinander befreundet, die sich zusammentaten um gemeinsam ein Haus zu bauen, sagt Leipold. Und auch wenn es am Ende 45 Parteien wurden, die eine Steuerungsfirma beauftragten, den Bau zu koordinieren: Entscheidungen, beispielsweise bei der Gartengestaltung, mussten dennoch gemeinsam getroffen werden. „Eine Baugruppe ist eine gute Sache für Menschen, die gerne etwas mit anderen unternehmen wollen“, sagt Leipold.

Der andere Vorteil: Baugruppen bauen billiger. Da die Gesellschafter ihr Projekt in eigener Verantwortung verwirklichen lassen, gibt es keinen zusätzlichen Bauträger, der daran mitverdienen könnte. So zahlte Andreas Leipold für den Quadratmeter in seinem Townhouse – eigener Stellplatz in der Tiefgarage und private Zehn-Quadratmeter-Dachterrasse inklusive – etwa 2500 Euro pro Quadratmeter. Im Preis sind alle Nebenkosten schon drin. Das ist günstig, der marktübliche Preis in Prenzlauer Berg knapp hinter dem Ring liegt höher.

Zwischen 130 und 160 Quadratmeter sind die Wohnungen groß, jede mindestens mit drei Etagen – und vielen Treppen. Ob die im Alter mit einem Treppenlift zu überwinden sind, wird sich zeigen. Oder man zieht als Senior eben wieder aus und verkauft. „Ich bin Freiberufler“, sagt Andreas Leipold. „Für mich ist das hier auch eine Altersabsicherung.“

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