Berlin : Traber aus der Bahn geworfen

Mariendorfer Renngelände kann nicht verkauft werden

Cay Dobberke

Berlins Trabrennsportler sehen schweren Zeiten entgegen – denn der geplante Verkauf der Rennbahn in Mariendorf scheitert am Widerstand des Bezirksamts und der Stadtentwicklungsverwaltung. „Wenn sich nichts ändert, sind wir erledigt“, sagte gestern Geschäftsführer Dimitros Vergos vom Berliner Trabrennverein (BTV). Ohne die erhofften Einnahmen aus der Veräußerung des Mariendorfer Geländes, auf dem ein französischer Investor ein Einkaufszentrum plant, müsse man die zweite Rennbahn in Karlshorst zum Jahresende aufgeben. Auch in Mariendorf beginne dann der „Überlebenskampf“, so Vergos.

Zu diesem Pessimismus hat jetzt die Weigerung von Senatsbaudirektor Hans Stimmann und Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) geführt, den Flächennutzungsplan am Mariendorfer Damm zu ändern. Großflächiger Einzelhandel passe dort nicht hin, sagte Sprecherin Petra Reetz von der Bauverwaltung. Mit der gleichen Begründung hatten auch das zuständige Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) die Umwidmung abgelehnt. „Keinerlei Realisierungsmöglichkeit“ sieht zum Beispiel der Vize-Bürgermeister Dieter Hapel (CDU).

Nun wollen sich Vertreter des Trabrennvereins noch einmal mit Bezirkspolitikern treffen. Es genüge, ein Drittel des 20-Hektar-Areals mit einem Einkaufszentrum zu bebauen, sagt Geschäftsführer Vergos. Das übrige Gelände könne beispielsweise zu einem Park werden. Für einen Kompromiss bleibe aber wenig Zeit: „Wir brauchen eine Entscheidung in diesem Monat.“

Der Verein hatte einen Verkaufspreis von rund 40 Millionen Euro angestrebt. Nur so könne man die nötige Modernisierung der Karlshorster Rennbahn für 20 bis 25 Millionen Euro finanzieren, hieß es. Dort läuft der Pachtvertrag mit dem Grundstückseigner TLG Projektentwicklung Karlshorst zum Jahreswechsel aus. Der Veranstaltungsbetrieb auf den Rennbahnen ist seit längerem defizitär, was 2002 nur durch den Verkauf einiger Ställe in Mariendorf ausgeglichen werden konnte. Strieders Verwaltung bedauert die Probleme, lehnt eine Ausnahme aus sportpolitischen Gründen jedoch ab: Ein Flächennutzungsplan sei „keine Solidaritätsspende für einen Sportverein“.

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