Berlin : Trabrennbahn Mariendorf: Bowlingbahn statt Pferdeställe

Tobias Arbinger

Die goldenen Zeiten des Trabrennsports sind vorbei, die seit Ende 1999 unter einem Dach arbeiteten Bahnen Karlshorst und Mariendorf haben zu kämpfen. Geld für den Sport und für die Reparatur der Anlagen soll der Verkauf eines rund 30 000 Quadratmeter großen Areals im Süden der Trabrennbahn Mariendorf bringen. Details zu den Plänen des Investors Exsol aus Niedersachsen, auf dem Grundstück Wohnungen, Geschäfte und Freizeitanlagen zu errichten, wurden am Mittwochabend im Stadtplanungsausschuss von Tempelhof-Schöneberg bekanntgegeben.

Noch stehen auf dem Gelände am Titlisweg Stallungen. Der Investor plant dort den Bau von Wohngebäuden, einem Supermarkt, kleinen Läden, Restaurants, eines kleinen Hotels sowie einer Freizeiteinrichtung mit Bowlingbahn und Squash-Center. Für das Vorhaben läuft derzeit ein Bebauungsplanverfahren. Die Rennsportfläche müsste zum Wohn- sowie teilweise zum "eingeschränkten Gewerbegebiet" umgewidmet werden. Vor kurzem wurde das Bürgerbeteiligungsverfahren abgeschlossen. Laut Bezirksamt sind "die Bedenken nicht so relevant, dass man ihnen folgen müsste".

Das geplante Wohn- und Gewerbegebiet liegt in einer Mehrfamilienhausgegend. Es gab 16 Einwände von Anwohnern, unter anderem wurde die Befürchtung geäußert, Freizeitzentrum und Supermarkt würden zu viel Verkehr mit sich bringen. Laut Bezirksamt soll die Zufahrt am Lichtenrader Damm liegen, der Titlisweg für den Lieferverkehr geschlossen werden. Zudem gab es Bedenken gegen das dreistöckige Geschäftshaus. Das obere Geschoss soll nun unterteilt werden. Das Gebäude werde nicht zu sehr über die Wohnhäuser hinausragen, versprach Baustadtrat Gerhard Lawrentz (CDU).

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Die CDU befürwortet den Grundstücksverkauf. Er helfe der Trabrennbahn wirtschaftlich auf die Beine, sagte ihr Fraktionsvorsitzender Carsten Buchholz. Die SPD hat hingegen Vorbehalte. "Ein Discounter und ein Fastfood-Restaurant sind für den Bezirk nicht so attraktiv", sagte der SPD-Verordnete Gerd Wöhrle. SPD-Fraktionschef Axel Seltz sagte, das Gelände solle nur deshalb so dicht bebaut werden, weil es der Trabrennbahn auf diese Art ausreichend Geld bringt. Er befürchte, dass dieses Geld nicht in Mariendorf bleibt, sondern in den Ausbau der Trabrennbahn Karlshorst fließen könnte. Die Anlage in Mariendorf werde "scheibchenweise verkauft", das Angebot "ausgedünnt", sagte Wöhrle. Die Rennbahn hatte vor Jahren bereits Land verkauft, auf dem das Seniorenheim Rosenhof gebaut wurde.

Nach Angaben des Geschäftsführers des Trabrennvereins, Dimitrios Vergos, soll der Trainingsbetrieb von Mariendorf nach Karlshorst verlagert werden. Seit der Wende seien viele Pferdebesitzer ins Umland abgewandert. Einnahmen aus Stallvermietungen seien drastisch zurückgegangen. In Karlshorst gebe es mehr Platz für das Training. Der Betrieb in Mariendorf soll künftig auf sechs große Veranstaltungen an rund 40 Renntagen im Jahr beschränkt werden.

Während dort vorwiegend Themenveranstaltungen wie Derby-Rennen oder die "Horseparade" stattfinden sollen, würden in Karlshorst zukünftig die regulären Rennen abgehalten. Befürchtungen, die Trabrennbahn Mariendorf könnte in absehbarer Zukunft geschlossen werden, bezeichnete Vergos als völlig unbegründet.

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