Berlin : Trabrennbahn Mariendorf wird verkauft

Industrieller übernimmt das Gelände und verspricht, den Rennbetrieb zehn Jahre lang weiterzuführen

Heiko Lingk

Genau 91 Jahre ist die Traberpiste in Mariendorf alt und glaubt man dem derzeitigen Vorsitzenden Ulrich Mommert, dann wird der Rennverein mit Sicherheit auch den 100. Geburtstag erleben. „Manche Leute können nicht verstehen, dass ich weiter in den wirtschaftlich schwer angeschlagenen Sport investiere“, sagt der Industrielle mit Berliner Wohnsitz. Im österreichischen Wieselburg ist er zugleich Chef der Zizala GmbH, einem Unternehmen der Automobilzuliefererbranche mit rund 1000 Mitarbeitern. „Doch ich bin ein Verrückter, der die Sulkygespanne auch noch in zehn Jahren um die Bahn fahren sehen will.“

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Mommert den Mitgliedern des Rennvereins ein Angebot unterbreitet, das nicht überall auf Gegenliebe stößt und das manche sogar tatsächlich für verrückt halten: Seine Firma will das knapp 20 Hektar große Bahngelände in Mariendorf für vier Millionen Euro kaufen. Damit wäre der Rennverein, dem aktuell trotz des Verkaufs des ehemaligen Stallgeländes wieder 850 000 Euro in der Kasse fehlen, für einige Zeit abgesichert. Parallel will Mommert die Bahn für zehn Jahre an den Verein zurückverpachten, damit weiter Trabrennen in Mariendorf stattfinden können. Im Gegenzug soll seine Firma pro Jahr 200 000 Euro Pachtmiete vom Rennverein erhalten.

Doch das ist der Punkt, an dem sich die Kritiker stoßen. Da das jährliche Defizit der Trabrennbahn schon seit Jahren pro Saison bei etwa einer Million Euro liegt, könnte das Geld aus dem Rennbahnverkauf schon in drei bis vier Jahren aufgebraucht sein. Zwar will Mommert die Verluste mit einem verbesserten Marketing verringern. Der 63-Jährige: „Wir brauchen zusätzlich Sponsoren und haben für die kommende Saison bereits rund dreißig kleinere und größere Firmen als Partner gewonnen.“ Doch der Opposition im Verein, die insbesondere durch den Ex-Vereinschef Klaus-Volker Stolle verkörpert wird, sind diese Versprechungen und der angebotene Preis zu wenig. Der Hotelier aus Steglitz: „Was uns hier als Konzept vorgelegt wird, geht nach dem Motto: Vogel friss oder stirb.“ Nach heftiger Diskussion fiel das Votum für den Verkauf mit 33 zu 27 Mitgliederstimmen schließlich nur knapp aus. Ulrich Mommert will bereits Ende Januar unterschriftsreife Verträge vorlegen: „Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Nur durch den Verkauf kann die Bahn überleben.“

Derzeit ist das Mariendorfer Gelände im Flächennutzungsplan fest als Sport- und Grünfläche ausgeschrieben – eine Bebauung ist ausgeschlossen. Der Bezirksbürgermeister Ekkehard Band sagt dazu: „Das soll nach dem Willen aller Parteien auch so bleiben.“ Doch zugleich schränkt er ein: „Ich kann nicht prophezeien, was in zehn Jahren geschieht.“ Sollte das Gelände – das dann nicht mehr dem Verein gehört – eines Tages in Bauland umgewidmet werden, wäre es 40 Millionen Euro wert. Dass er solche Absichten hegt, wehrt Mommert entschieden ab: „Im Gegenteil – mit dem Pachtvertrag will ich die Bahn langfristig vor Immobilienhaien retten.“

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