Traditionelle Demonstration : Ostermarschierer besuchen Rüstungslobby

Rund 200 Menschen haben sich am Montag am Berliner Ostermarsch beteiligt. Im Mittelpunkt des diesjährigen Marsches standen die "Standorte der Rüstungslobby".

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Ostermarsch
Teilnehmer des Berliner Ostermarsches 2010 am Potsdamer Platz. -Foto: ddp

Vorneweg überspannt ein riesiges Transparent die Leipziger Straße. Acht Männer und Frauen stemmen es an Stangen gegen den kalten Wind. „Wir müssen ein Zeichen setzen“, sagt ein Bannerträger und weist auf den Spruch: „Truppen raus aus Afghanistan!“ Angesichts der Todesopfer bei den jüngsten Gefechten zwischen Bundeswehr- und Taliban-Kämpfern beherrschte das Thema Afghanistan am Montag auch die zwei Ostermärsche in der Region. In Berlin zogen rund 900 Demonstranten vom Potsdamer Platz zur Straße Unter den Linden – vorbei an Büros der Rüstungslobby. Am Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide kamen 2000 Menschen zusammen. Neben dem Krieg am Hindukusch beschäftigte sie die künftige Nutzung der Heide. Sie müsse als „Naturerbe“ geschützt und touristisch erschlossen werden, hieß es.

Beide Demonstrationen galten als Abschluss der diesjährigen bundesweiten Ostermarsch-Aktionen. An rund 60 Orten in Deutschland waren bereits am Sonntag mehrere tausend Protestler auf die Straße gegangen. Dabei einte sie auch ein Jubiläum. Vor 50 Jahren wurde in Deutschland der erste Ostermarsch von Atomwaffengegnern organisiert. In Berlin war die Premiere allerdings erst 1968. Gleichwohl wiesen am Montag auch hier Plakatträger stolz auf die „50“ hin.

Überaltert schienen die Protestler keineswegs. Auch viele junge Leute, beispielsweise von den Naturfreunden oder von evangelischen Studentengruppen, zogen warm vermummt los. Sie widersprachen Kritikern, die im Vorfeld die Ostermärsche für überholt erklärt hatten. Ansonsten war der Umzug bunt zusammengesetzt aus SPDlern und Vertretern der Linken, Gewerkschaftern, Christenverbänden und dem Spektrum der K-Gruppen. Unterwegs machten sie vor Repräsentanzen von Firmen Halt, „die an Krieg und Rüstung verdienen“ – zum Beispiel beim Daimler-Konzern am Potsdamer Platz oder bei Rheinmetall in der Voßstraße.

Zur Kyritz-Ruppiner Heide zog auch diesmal wieder der bundesweit größte Ostermarsch. Erstmals in der 17-jährigen Geschichte des Protestes gegen die weitere militärische Nutzung des früheren sowjetischen Bombenabwurfplatzes durften die Teilnehmer das umstrittene Bombodrom-Gelände selbst betreten. Die Bundeswehr hatte es ihnen erlaubt. „Dafür haben wir hart gekämpft“, freuten sich die Demonstranten. Im Juli 2009 hatte das Bundesverteidigungsministerium darauf verzichtet, das Areal als Luft-Boden-Schießplatz zu nutzen. Eine weitere Verwendung für Heeresübungen hielt sich der Bund aber bislang offen.

Beim Ostermarsch unterstützten Vertreter der Potsdamer Landesregierung das Ziel, die Heide „zivil zu entwickeln.“ Der Neuruppiner Bürgermeister Jens-Peter Golde (parteilos) forderte, schnell Tatsachen zu schaffen. Schon im Herbst solle es geführte Touren durch die blühende Heide geben.

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