Berlin : Traditionsreiches Berliner Bauunternehmen steht vor dem Ruin

Die Schmittlein AG errichtete die chinesische Botschaft und das Hotel Mövenpick. Jetzt hat die Firma Insolvenz beantragt

Hennes Schulz

Sie bauten an der deutschen Botschaft in Brasilia, das Mövenpick Hotel am Anhalter Bahnhof, die chinesische Botschaft in Mitte und die Weberbank in Schmargendorf – jetzt ist die Anton Schmittlein AG Pleite. Anfang August musste Vorstandschef Michael Brader am Charlottenburger Amtsgericht Insolvenz anmelden. Dies bestätigte der Insolvenzverwalter Christoph Schulte-Kaubrügger, der für die Abwicklung des Unternehmens sorgen soll. Damit ist wieder ein traditionsreiches Berliner Bauunternehmen mit zum Schluss rund 60 Mitarbeitern vom Markt.

In den frühen dreißiger Jahren gegründet, machte sich Schmittlein durch sein Engagement während des Wiederaufbaus der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg einen Namen, bürgte für Qualität. Hoch- und Stahlbetonbauten, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude zählten zu den Vorzeigeobjekten. Mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigte das Familienunternehmen unter Aufsichtsratschef Ralf Rudolph noch in den vergangenen Jahren – und machte mehr als 200 Millionen Euro Jahresumsatz. Die schlechte Baukonjunktur war verantwortlich dafür, dass die Firma Schmittlein immer weniger Aufträge erhielt.

Mehr als 50 kleine Subunternehmer sollen noch Forderungen gegen die insolvente Aktiengesellschaft haben. Einer derjenigen, die derzeit Ansprüche gegen die Schmittlein AG prüfen, ist Ex-Bankgesellschaftsmanager Manfred Schoeps. Er hatte mit seiner Projektentwicklungsgesellschaft GBI die ehemaligen Siemensgebäude an der Schöneberger Straße mit Schmittlein umgebaut, modernisiert und an Mövenpick vermietet. Durch Bauverzögerungen von einen halben Jahr und erheblichen Baumängeln soll dem Schoeps-Unternehmen ein Schaden von rund fünf Millionen Euro entstanden sein. „Die werden wir wohl in den Wind schreiben können“, sagt ein GBI-Mitarbeiter.

Bei der Schmittlein AG müssen die Beschäftigten jetzt um ihre Arbeitsplätze bangen. „Derzeit suchen wir nach Auswegen, aber die wenigsten Mitarbeiter werden wohl weiter bei einer der anderen Schmittlein-Gesellschaften eine neue Beschäftigung finden“, sagte ein leitender Mitarbeiter des Unternehmens.

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