Berlin : Tränenpalast als Denkmal der Teilung

Leiter von DDR-Gedenkstätten unterstützen Betreiber des Kulturzentrums an der Friedrichstraße

Matthias Oloew

Im Kampf um den Tränenpalast geben sich die Betreiber des Kulturzentrums nicht geschlagen. Am Montag forderten sie den Senat auf, die denkmalgeschützte ehemalige Grenzabfertigungshalle am Bahnhof Friedrichstraße zu einem wesentlich günstigeren Preis zu verkaufen. Bisher verlangt der Senat den Verkehrswert von 915000 Euro. „Wir können als nicht- subventionierter Kulturbetrieb aber nur 450000 Euro zahlen“, sagt Marcus Herold, Geschäftsführer im Tränenpalast. Diese Summe lehnt die Verwaltung ab.

Unterstützung bekommen die Betreiber von den Leitern der Gedenkstätten Hohenschönhausen und Normannenstraße, Hubertus Knabe und Jörg Drieselmann. Beide sehen im Tränenpalast einen der letzten authentischen Orte für die Teilung und verlangen, dass die Halle des früheren Grenzübergangs auch künftig gut sichtbar sein müsse. „Durch die geplante Bebauung besteht die Gefahr, dass die Halle verdeckt wird“, sagt Knabe. Drieselmann ergänzt: „Den Tränenpalast muss man von der Friedrichstraße aus sehen können.“ Er vermisse ein deutliches Bekenntnis zu diesem Erinnerungsort.

Knabe und Drieselmann plädieren darüber hinaus für eine Einbindung in das Mauer-Gedenkstättenkonzept des Senats. „Der Tränenpalast ist einer der letzten authentischen Orte, an denen man die Zeit der Teilung unmittelbar nachvollziehen kann“, erklärt Knabe. Er fordert, den Bau künftig als Museum zu nutzen. Eine Idee, die sein Kollege Drieselmann nicht vollständig unterstützt: „Der Tränenpalast hat gezeigt, dass ein spannender Mix aus gegenwartsbezogener Kultur kein Widerspruch zur geschichtlichen Bedeutung des Ortes sein muss.“ Drieselmann lehnt ein Wieder-Aufstellen von den typischen Grenzkontrollkabinen ab: „Alles Nachgebaute ist Müll.“ Die Kulturverwaltung lehnt eine Stellungnahme zu solchen Überlegungen zum derzeitigen Zeitpunkt ab.

Derweil sorgt sich Tränenpalast- Chef Herold, dass die Kulturhalle während der bevorstehenden Bauarbeiten noch erreichbar sein wird. Neben dem Grundstück an der Spree hat Berlin nämlich auch zwei weitere Flurstücke an der Friedrichstraße an einen Hamburger Investor verkauft, die bis an den Bahnhof heranreichen. Das Bezirksamt Mitte hat die Straße und den Taxistand am Bahnhof bereits entwidmet, das heißt, die Straße ist offiziell keine mehr. Damit ist rechtlich der Weg frei für die Bebauung des Areals. Geplant ist ein Büro- und Geschäftshaus mit Tiefgarage und einem Stadtplatz vor dem Bahnhof. Herold befürchtet, dass der Tränenpalast dann kaum zu sehen und zu erreichen sein wird. Diese Befürchtungen weist die Finanzverwaltung als unbegründet zurück, schließlich sei in den Verträgen mit dem Investor ein drei Meter breiter Weg gesichert worden.

Doch die Macher des Kulturzentrums sind skeptisch. Bei einem Kauf sollen sie, so verlange es der Senat, weitgehend auf ihre Rechte verzichten, wenn nebenan gebaut wird. Da zwischen beiden Parteien Funkstille herrscht, befürchtet Herold, während der Bauarbeiten keine Veranstaltungen organisieren zu können. Er bezweifelt außerdem, dass der Kaufpreis seriös ermittelt worden ist. Bleibe der Tränenpalast, wie jetzt auch, Mieter, sinke der Verkehrswert, und Berlin wolle dann zu einem niedrigeren Preis an den Investor verkaufen. Das weist die Finanzverwaltung zurück.

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