Berlin : Tränenpalast droht Abriss

Senat und Bezirk wollen die ehemalige Grenzabfertigungshalle auf jeden Fall erhalten

Matthias Oloew

Neuer Streit um das Bauprojekt auf dem so genannten Spreedreieck am Bahnhof Friedrichstraße: Der Bauherr hat beantragt, große Teile des Tränenpalasts abzureißen. Stadtentwicklungsverwaltung und Bezirksamt Mitte wollen das jedoch nicht genehmigen.

Der Tränenpalast steht unter Denkmalschutz, und der Investor, der Hamburger Projektentwickler Harm Müller-Spreer, hat beim Kauf der ehemaligen Grenzabfertigungshalle unterschrieben, den Bau zu bewahren und 25 Jahre lang als Kulturstätte zu nutzen. Darüber hinaus ist der Tränenpalast wichtiger Bestandteil des Konzepts für das Mauergedenken von Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei/PDS).

Nach Angaben von Mittes Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) will Müller-Spreer rund 80 Prozent des Tränenpalasts abreißen, nur eine kurze Wand und zwei kleine Anschlusswände blieben stehen. Offizielle Begründung: Der Tränenpalast störe den Bau einer unterirdischen Tiefgarage und sei den Bauarbeitern des geplanten Neubaus im Weg. Die Stadträtin kann das nicht nachvollziehen: „Die Bauarbeiten werden kaum beeinflusst“, erklärt sie. Aber: „In der Tiefgarage wäre weniger Platz für Autos, wenn der Tränenpalast stehen bleibt.“ Das sei jedoch durch den Bauherrn hinzunehmen, die Bedeutung des Tränenpalasts als Denkmal sei wichtiger. Bauherr Müller- Spreer war für eine Stellungnahme am Freitag nicht zu erreichen.

„Der Tränenpalast stört den geplanten Neubau nicht, eine Umplanung ist nicht notwendig“, sagt Dubrau weiter. Müller-Spreer plant, auf dem dreieckigen Gelände zwischen Spree, Friedrichstraße und dem Bahnhof ein zehn- bis zwölfstöckiges Bürogebäude mit einer Glasfassade zu errichten, das der Architekt Mark Braun entworfen hat. Baubeginn soll im Oktober sein, in gut zwei Jahren will der erste Mieter einziehen: die Unternehmensberatungsgesellschaft Ernst & Young.

Bereits genehmigt bekam Müller-Spreer den Abriss des Fußgängertunnels, der den U-Bahnhof Friedrichstraße mit dem unterirdischen S-Bahnhof im Nord-Süd-Tunnel verbindet. Diesen Tunnel müsse der Bauherr aber nach Fertigstellung der Tiefgarage wieder aufbauen, hieß es aus der Verwaltung. Auch den Tränenpalast will Müller-Spreer nach dem Abriss wieder aufbauen. Deshalb will die Verwaltung vor ihrem endgültigen Nein zum Abriss dem Bauherrn die Gelegenheit geben, sich zu den Plänen zu äußern.

Das Bauprojekt auf dem Spreedreieck ist seit Jahren von Streitigkeiten begleitet. Müller-Spreer kaufte zunächst nur einen Teil des Areals vom Land Berlin, dem dabei jedoch ein schwerwiegender Fehler unterlief. Das Land war teilweise gar nicht Eigentümer, hätte also nicht verkaufen dürfen. Müller-Spreer drohte mit einer Schadensersatzklage gegen das Land, bekam daraufhin einen Teil des Kaufpreises zurückerstattet und weitere Grundstücke unentgeltlich dazu. Den Tränenpalast wollte er auch von Anfang an übernehmen, er sollte jedoch zunächst an die Betreiber der Kulturhalle veräußert werden. Erst als deren Finanzierung nicht klappte, griff Müller-Spreer zu. Nach der Insolvenz der Tränenpalast-Betreiber droht nun der weitgehende Abriss der Halle.

Müller-Spreer ist inzwischen Eigentümer des gesamten Spreedreiecks bis zum Gebäude des Bahnhofs Friedrichstraße. Für seinen Neubau sind bisher nur zehn Geschosse genehmigt – er will aber an der Spreeseite des Grundstücks zwei Etagen mehr.

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