• Tragischer Unfall am Bahnhof Fürstenwalde: Niemand bemerkte die Jugendlichen auf dem Güterzug

Tragischer Unfall am Bahnhof Fürstenwalde : Niemand bemerkte die Jugendlichen auf dem Güterzug

Drei Jugendliche kletterten auf einen Kesselwaggon, eine 15-Jährige Mädchen erlitt einen Stromschlag und starb. Über die Hintergründe eines schrecklichen Unglücks.

von und Til-Francis Taubert
Ein Krankenwagen war vor Ort. (Symbolbild)
Ein Krankenwagen war vor Ort. (Symbolbild)Foto: dpa

Der Schock sitzt tief am Bahnhof in Fürstenwalde, wo am Donnerstagnachmittag eine 15-Jährige auf tragische Weise ums Leben kam. „Niemand hat bemerkt, dass die Jugendlichen sich am Güterzug aufhielten“, sagt eine Bahnangestellte. Wie berichtet war das aus dem Landkreis Oder-Spree stammende Mädchen auf einen Kesselwaggon geklettert und hatte dort einen Stromschlag erlitten. „Die Rettungskräfte wurden um 16.26 Uhr informiert“, sagt ein Polizeisprecher: „Sie konnten aber leider nichts mehr für das leblose Mädchen tun. Es starb noch am Unfallort.“

Freunde erlitten Schock

Zwei Freunde der Jugendlichen, ein 16- und ein 17-Jähriger, mussten ins Krankenhaus gebracht werden, weil sie einen schweren Schock erlitten. Kein Wunder: Die beiden ebenfalls aus den Landkreisen Oder-Spree und Märkisch-Oderland stammenden Jungen sollen nach den bisherigen Ermittlungen kurz vor der 15-Jährigen ebenfalls auf den Waggon geklettert, aber unverletzt geblieben sein. Sie wurden am Freitag von der Polizei befragt.

Jugendliche unterschätzen die Gefahr

Diese geht davon aus, dass es sich um einen tragischen Unfall handelte. Bislang gebe es jedenfalls keine Hinweise auf ein Fremdeinwirken, sagt der Polizeisprecher. Man würde aber noch weitere Zeugen befragen, die aus größerer Entfernung einen Knall gehört und einen Lichtstrahl gesehen hätten. Nach Informationen des Tagesspiegels stand der Güterzug mit dem Kesselwagen der ITL Eisenbahngesellschaft an einem Gleis des Bahnhofs, der nicht für den Personenverkehr genutzt wird. Deshalb hatte wohl auch niemand die Jugendlichen bemerkt.

Warum sie auf den Zug kletterten, ist noch unklar. Allerdings kommt es seit Jahren immer wieder zu tödlichen Stromschlägen, weil Jugendliche die Gefahr unterschätzen. Denn um einen Stromschlag zu bekommen, muss man die Stromleitung nicht direkt berühren. Es reicht ein sogenannter Lichtbogen aus, der sich bildet, wenn Elektronen in der Luft den Strom zwischen Bahn und Oberleitung weiterleiten, so dass ein geschlossener Stromkreis entsteht. Die Bundespolizei rät deshalb, einen Sicherheitsabstand von mindestens eineinhalb Metern zu Oberleitungen einzuhalten.

Die Spannung beträgt 15 000 Volt

„Das ist aber nur ein Richtwert“, sagt ein Polizeisprecher: „Wie groß die Entfernung ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, auch von der Witterung – also davon, ob es regnet oder trocken ist.“ Da die Oberleitungen mit bis zu 15 000 Volt geladen sind – in Steckdosen liegen 230 Volt an – sind die Verletzungen durch Stromschläge oft tödlich.

Erst vor drei Monaten verunglückte so ein 18-Jähriger im sächsischen Werdau. Im März vergangenen Jahres starb ein 17-Jähriger, der in Guben auf einen Kesselwagen kletterte und einen tödlichen Stromschlag erlitt. Im Januar 2015 kletterte ein 15-Jähriger in Rangsdorf aus einem fahrenden Regionalzug auf eine angekoppelte Lok und wurde durch einen Lichtbogen schwer verletzt.

Immer wieder tödliche Unfälle

Im Jahr 2013 erlitten Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren in Lübbenau, Rathenow und am Güterbahnhof Berlin-Greifswalder Straße tödliche Stromschläge, im gleichen Jahr wurde sogar ein erst neun Jahre alter Junge in Berlin schwer verletzt. Er war auf einem Firmengelände im Stadtteil Prenzlauer Berg auf einen Kesselwagen geklettert.

Nach dem Unfall in Fürstenwalde warnten Bahn und Bundespolizei am Freitag noch einmal eindringlich vor den Gefahren. „Niemand sollte Bahnanlagen mit Abenteuerspielplätzen verwechseln“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei: „Dabei geht es vor allem um Stromschläge, aber auch um die zunehmende Zahl von Unfällen, die entstehen, weil es unter Jugendlichen in ist, auf Bahngleisen Fotos machen, wobei sie oft die herannahenden Züge nicht bemerken.“

Leid der Eltern ist unermesslich

Bundespolizei und Bahn führen seit Jahren auch Präventionsveranstaltungen an Schulen durch, sagte ein Bahnsprecher: „Wir haben sogar speziell für Jugendliche angefertigte Videos auf Youtube gestellt. Denn jeder Fall ist schrecklich und jedes Mal ist das Leid der Eltern unermesslich“.

Mehr Informationen unter www.youtube.com/user/DeutscheBahnKonzern

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