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Tragischer Unfall in Mitte : Feier auf Partyschiff endet tödlich

Bei einer Fahrt auf der MS Alexander von Humboldt ging ein 30-Jähriger in Mitte über Bord. Alarmierte Taucher der Berliner Feuerwehr konnten den Verunglückten erst nach 50 Minuten im Wasser treibend entdecken - da war es bereits zu spät.

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Blauer Himmel, ein warmer Augustabend und eine rauschendes Fest – schöner konnte es am Samstagabend auf dem Fahrgastschiff Alexander von Humboldt kaum sein. Doch die Party fand ein jähes Ende: Gegen 20.30 Uhr ging, so die Polizei, ein Mann über Bord. Nach ersten Erkenntnissen fiel der 30-Jährige in Höhe des Kapelle-Ufers in Mitte von dem fahrenden Schiff in die Spree und versank. Ob er nicht schwimmen konnte, unter Drogeneinfluss stand oder von schweren Kleidern nach unten gezogen wurde – er soll kostümiert gewesen sein –, war auch am Tag danach noch unklar.

„Wir können nur sagen, dass es bislang keine Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt“, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag dem Tagesspiegel. „Der Mann hat keine sichtbaren Verletzungen, die auf eine Straftat hinweisen würden.“ Alles Weitere müssten nun die Ermittlungen ergeben, die von der Kriminalpolizei der Direktion 3 übernommen wurden.

Die Beamten wollen am heutigen Montag mit der Befragung der Mannschaft und der Gäste beginnen – mehr als 200 Menschen sollen an der Party teilgenommen haben. Das Schiff gehört zur Flotte der Stern und Kreisschifffahrt Berlin. Von dort war am gestrigen Sonntag keine Stellungnahme zu erhalten. Die Verantwortlichen seien erst am Montag zu sprechen, hieß es.

Einige Zeit nach dem Unfall am Samstagabend schien es, als habe es sich um falschen Alarm gehandelt. Der 30-Jährige sei an ganz anderer Stelle lebend gesehen worden, hieß es zunächst. In Wahrheit hatten die von der Polizei alarmierten Taucher der Berliner Feuerwehr den Verunglückten erst nach 50 Minuten im Wasser treibend entdeckt. Es sei sofort versucht worden, den Mann zu reanimieren, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Wiederbelebungsmaßnahmen seien auch während der Fahrt ins Krankenhaus fortgesetzt worden, doch alle Bemühungen seien erfolglos gewesen. Der Mann verstarb im Krankenhaus.

Über die Identität des Opfers konnte gestern weder die Polizei noch die Feuerwehr Angaben machen. Die Todesursache muss nun eine Obduktion klären, möglicherweise habe der Mann einen Herzinfarkt erlitten und sei deshalb über Bord gegangen, hieß es.

Die Polizei hat auf jeden Fall eine Obduktion angeregt, beantragen muss sie die Staatsanwaltschaft. „Das werden wir in einem solchen Todesermittlungsverfahren wahrscheinlich auch tun“, sagte Sprecher Martin Steltner. „Darüber entscheiden muss aber letztlich ein Richter.“ Im Verfahren werde natürlich auch geprüft, ob die Sicherheitsvorschriften und -normen für Fahrgastschiffe eingehalten wurden.

Die MS Alexander von Humboldt wurde erst im Mai vergangenen Jahres getauft – als neuestes von 31 Fahrgastschiffen der Reederei Stern und Kreisschifffahrt. Sie ist stolze 62 Meter lang, acht Meter breit und erreicht eine Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern. Im „größten schwimmenden Salon Berlins“ bietet sie knapp 300 Menschen Platz und hat sogar einen Fahrstuhl, mit dem Rollstuhlfahrer auf das riesige Sonnendeck mit Außenbar gelangen können.

Für Partys ist die Alexander von Humboldt eigentlich gut geeignet, verfügt auch über eine Lichtdecke mit der etwa ein Sternenhimmel simuliert werden kann. Die Taufe im vergangenen Mai war noch groß gefeiert worden. Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein ließ die Sektflasche am Bug zerspringen.

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