Berlin : Tragödie um Jonatan und David Antje Vollmer predigte

in der Zionskirche

Constance Frey

Ein spannendes Predigtthema: Die biblische Männerfreundschaft zwischen David und Jonatan, Sohn Sauls, König von Israel. Worum geht es hier, um Liebe, oder um Machtpolitik des aufstrebenden Königs von Israel? Antje Vollmer, ausgebildete Pastorin, grüne Bundestagsabgeordnete und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, hat am Sonntag in der Zionskirche in Prenzlauer Berg einen Gastbeitrag in der Predigtreihe über David übernommen.

Wie ein Roman, so Antje Vollmer, lese sich die Geschichte Davids, über Macht, Frauen – und über Jonatan. Im 1. Buch Samuel, Kapitel 18, beginnt die Geschichte der beiden Männer: „Nach dem Gespräch Davids mit Saul schloss Jonatan David in sein Herz. Und Jonatan liebte David wie sein eigenes Leben.“ Jonatan verteidigt David gegen den Argwohn seines Vaters. Als Saul den jungen und allzu erfolgreichen Kriegsherrn umbringen will, um seine Thronfolge zu schützen, verhilft Jonatan David zur Flucht. David aber, so Antje Vollmer, benutzt Jonatan, verlässt den Hof und „praktiziert eine Art modernes Söldnertum“. Jonatan aber bleibt bei seinem Vater Saul. „Er ist der Inbegriff eines treuen Menschen“, sagt die Pastorin. Saul unterliegt in einer Schlacht den Philistern, findet seine drei erschlagenen Söhne, unter ihnen auch Jonatan, und bringt sich um.

„Eine Tragödie“, nennt Antje Vollmer die Geschichte der selbstlosen Liebe Jonatans zu David, die das Lebensziel seines Vaters und seinen Anspruch auf den Thron vereitelt. Und David? Nach dem Tod Sauls und Jonatans schreibt er ein Klagelied. „Weh ist mir um dich, mein Bruder Jonatan. Du warst mir sehr lieb. Wunderbarer war deine Liebe für mich als die Liebe der Frauen.“ Um Freunde zu bleiben, so die Pastorin, hätten die beiden jungen Männer den Kreis der Macht verlassen müssen. David aber entschied sich für den Thron.

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