Berlin : Trainer soll junge Boxer über Jahre missbraucht haben

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Der Profi-Boxtrainer sprach von einem Komplott. „Alles gelogen, bei mir in der Boxschule wurde nie Unwesen getrieben“, erklärte Werner P. vor dem Landgericht. Dort muss sich der 75-Jährige seit gestern wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 178 Fällen verantworten. Es geht um fünf seiner Schützlinge, an denen er sich zwischen Dezember 1991 und Mai 2003 vergangen haben soll.

Der grauhaarige Angeklagte setzte zu einer ausführlichen Aussage an. Er müsse etwas ausschweifend werden, meinte er. „Aber das passt am Ende alles zusammen.“ Er listete seine Erfolge auf, beschrieb seinen Umgang mit den nicht immer einfachen Jungs und wetterte über Leute, die ihn „fertig machen“ wollten. Die früheren Schützlinge, die ihn mit ihren Aussagen auf die Anklagebank gebracht haben, die heutige Ehefrau eines seiner Schüler und ein Konkurrent aus der Berliner Boxszene – sie alle würden „unter einer Decke stecken“. Werner P. betreibt in Moabit eine Boxhalle. Und er wurde bekannt als Entdecker von Talenten. Eines der „Riesentalente“ fiel ihm kurz nach der Wende im Ostteil der Stadt auf. Er drückte dem damals zwölfjährigen Jungen 20 Mark in die Hand und lud ihn in seine Halle ein. Bald darauf wohnte der Schüler zeitweise bei dem Trainer. Mit 16 Jahren wurde er der jüngste deutsche Profiboxer aller Zeiten, gewann später einen Europameister- Kampf. Jetzt ist der junge Mann als Nebenkläger im Prozess vertreten.

Warum die Anzeigen Jahre nach den mutmaßlichen Übergriffen? „W. ist im Boxen eine Persönlichkeit. Ich sah keine Chance für mich“, sagte ein Zeuge. Nach Angaben des 33-Jährigen waren die Jungen, die der Trainer befummelt haben soll, alle von ähnlichem Typ: „Klein, süß, zierlich und dunkelhaarig.“ Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. K. G.

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