TRANSKULTURELLE PSYCHIATRIE : Krankheit ist nicht gleich Krankheit

„Mein Herz ist eng geworden“, sagt ein Türke zu seinem Arzt, und der untersucht ihn gleich auf ein organisches Herzleiden hin. Ein typisches transkulturelles Missverständnis: Der Satz des Patienten ist eine Metapher für Heimweh. Überhaupt neigen Türken dazu, Seele und Körper als Einheit wahrzunehmen und zu

beschreiben. „Meine Gallenblase ist geplatzt“ heißt nichts anderes, als dass man sich sehr erschreckt hat. Erschwert wird die Diagnosefindung auch dadurch, dass Türken, so fanden schwedische Wissenschaftler heraus,

Fragen des Arztes nach potenziellen Krankheitsursachen ungern antworten. Die Spekulation über Gründe sehen sie als sein Metier an. Wenn sie doch antworten,

führen sie häufiger als andere

magische oder religiöse Gründe für die Krankheit an. Kein Wunder also, dass es bei Türken oft zu Fehldiagnosen kommt, auch im psychiatrischen Bereich: So werden bei Türken schizophrene

Erkrankungen
fünfmal häufiger

falsch diagnostiziert als bei deutschen. Außerdem spricht eine Studie vom Robert- Koch-Institut davon, dass bei Migranten oft „Endlosdiagnostik“ stattfindet. Da Arzt und Patient sich nicht verstehen, werden etliche Untersuchungen gemacht, die Folgen: hohe Kosten für den Staat, große Anstrengungen für den Patienten. Umso wichtiger ist es, die Kultursensibilität von Ärzten durch

Fortbildungen zu steigern und

die Zahl der niedergelassenen türkischen Ärzten und Psychotherapeuten gerade in Großstädten mit hohem Migrantenanteil wie Berlin zu erhöhen. rik

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