Berlin : Transrapid-Rechnung kippt weiter: Konkurrenz nicht berücksichtigt

KLAUS KURPJUWEIT

Fahrgastzahlen stimmen nicht, wenn ein Dritter statt der Bahn AG Züge fahren läßt VON KLAUS KURPJUWEIT

Berlin.Der Transrapid steht auf wackligeren Stelzen als bisher angenommen.Die für die Wirtschaftlichkeit entscheidende Prognose der Fahrgastzahlen basiert auf der Annahme, daß parallel zur Strecke Berlin-Hamburg kein "hochwertiger" Verkehr der Bahn stattfindet.Bahnchef Heiz Dürr hat dies auch versprochen.Unberücksicht bleibt dabei aber die Möglichkeit, daß ein Dritter einen Schnellverkehr auf Schienen anbietet - als Konkurrent der Bahn AG und des Transrapids gleichzeitig.Nach EU-Recht ist dies seit 1994 möglich.Unterdessen bezweifelt auch die Industrie immer mehr, ob sich die Magnetschnellbahn durchsetzen läßt.Für Thyssen-Chef Dieter Vogel haben inzwischen "Technologiefeinde und Bedenkenträger" die Oberhand gewonnen. -Peter Jablonski von der Magnetschnellbahn-Planungsgesellschaft in Schwerin hält es für ausgeschlossen, daß eine andere Bahngesellschaft zwischen Berlin und Hamburg einen Schnellverkehr anbieten kann."Die Strecke wird mit Güter- und Regionalzügen voll belegt sein", ist er überzeugt.Deshalb habe man bei den Berechnungen diesen Fall auch nicht berücksichtigt. Völlig anders sieht man dies bei der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED)."Die Bahn-Verbindung Berlin-Hamburg kann ein richtiger Renner werden", ist Hubert Kummer überzeugt.Entscheidend werde der Preis sein.Bei der Bahn kostet der Kilometer rund 25 Pfennig.Da die meisten Fahrgäste aber zu günstigeren Konditionen fahren (Bahn-Card oder Sparpreise), liegt er durchschnittlich unter 20 Pfennig.Für den Transrapid dagegen sind jetzt rund 60 Pfennig im Gespräch.Selbst Geschäftsreisende werden nach Ansicht Kummers kaum bereit sein, einen Preis weit über dem der 1.Klasse der Bahn zu zahlen. Ein Bahn-Unternehmen, das niedrige Tarife und schnelle Züge kombiniert, werde dem Transrapid auf jeden Fall eine Menge Fahrgäste wegnehmen, so Kummer weiter.So gibt es bereits Überlegungen, daß die Dänische Staatsbahn mit ihren Zügen über Hamburg nach Berlin fahren könnte.Schnelle Züge hat sie bereits; im Verkehr nach Hamburg waren sie auch schon eingesetzt.Demnächst, wenn die Tunnel-Brücken-Verbindung über den Großen Belt fertig ist, könnten die Züge direkt von Kopenhagen nach Berlin fahren.Kombinierten Fern-, Regional- und Güterverkehr, den Jablonski für ausgeschlossen hält, gibt es auf den meisten Strecken. Eine Aufgabe des Transrapid-Projekts ist für Thyssen, das die Magnetbahn maßgeblich entwickelt hat, nach Ansicht von Vogel kein großes finanzielles Risiko.130 Millionen Mark habe man bisher in den Transrapid gesteckt, sagt der Thyssen-Chef.Vom Steuerzahler waren es weit mehr.

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