Berlin : Transrapid: Strieder trauert Transrapid nicht hinterher

Jörn Hasselmann

"Wir wollen den Transrapid auch weiterhin nicht", sagte die Sprecherin von Verkehrssenator Strieder, Petra Reetz gestern. Sie reagierte damit auf die Bemühungen von Bayern und Nordrhein-Westfallen, jeweils eine Transrapid-Strecke zu bauen. Das Projekt einer Referenzstrecke Hamburg - Berlin war bekanntlich nach achtjähriger Planung vor fast genau zwei Jahren wegen der hohen Kosten endgültig gestoppt worden. Die Bundesregierung hatte im Jahr 1999 ihren Zuschuss auf 6,1 Milliarden Mark limitiert, die Verbindung nach Hamburg sollte nach den letzten Berechnungen aber 10 Milliarden Mark kosten. Zudem war Bahnchef Hartmut Mehdorn eindeutig auf Distanz zu dem Projekt gegangen. Er kritisierte die Strecke "als nicht rentabel und hochkritisch".

Wenn nun aber die Münchener mit dem Transrapid zum Flughafen fahren sollen, warum ist das dann nicht auch für Berlin eine Alternative? Am Geld dürfte es nicht scheitern. Direkt nach dem Aus für Berlin-Hamburg hatte das Verkehrsministerium angekündigt, Alternativen in Deutschland zu prüfen. 4,5 Milliarden Mark stehen seitdem für den Transrapid bereit. Unter den fünf damals vorgestellten Alternativen war auch die Strecke vom Lehrter Bahnhof zum geplanten Großflughafen in Schönefeld. Auch wenn diese innerstädtische Kurzstrecke im Internet-Angebot des Magnetbahn-Konsortiums immer noch vorgeführt wird - sie hatte nie den Hauch einer Chance. Denn den Zielort Lehrter Bahnhof könnte der Transrapid nur per Tunnel erreichen - und in dem ist kein Platz für die Schwebetechnik. Selbst wenn man auf zwei der vier Gleise (zwei für Regional-, zwei für Fernzüge) verzichtet: Der mittlerweile im Rohbau fertige Tunnel ist nicht für den Transrapid ausgelegt. "Die Röhren sind nicht für den Sog und die Vibrationen der Magnetbahn geeignet", sagte Strieders Sprecherin. Zudem sei das Stückchen Strecke nach Schönefeld nun wirklich keine Referenzstrecke für ausländische Interessenten, sagt Reetz: "Die Technik soll doch zeigen, wie schnell sie ist." Auf der kurzen Strecke zwischen Lehrter Bahnhof und Flughafen aber kommt der schnelle Zug nicht auf Touren.

Tempo macht derzeit die Deutsche Bahn - nach Hamburg. Nach dem Aus für die Schwebebahn hatte sie mit dem Ausbau der Strecke von Berlin nach Hamburg auf Tempo 230 begonnen. Denn der Bahn war Anfang der 90er Jahre ein Verzicht auf dieses höhere Tempo aufgezwungen worden. Die Gleise wurden nur für 160 hergerichtet - so wurde ein Konkurrent für den Transrapid ausgeschaltet. Ende 2004 sollen Neigetechnik-ICEs in nur 90 Minuten von der Elbe an die Spree fahren. Derzeit fehlen der Bahn jedoch 400 Millionen der 1,4 Milliarden Mark für Tempo 230, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlers gestern. Wie berichtet, hat die Bundesregierung für die Strecke nach Hamburg bislang nur 1,0 Milliarden zugesichert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben