Berlin : Trau keinem über 14

In der FEZitty in der Wuhlheide regieren die Kinder Sie üben ein kompliziertes Spiel – die Demokratie

Bürgermeister Kevin Schneider gibt sich kompromisslos. „Ich will meine Gesetze durchbringen und dafür sorgen, dass Erwachsene weniger Einfluss bekommen“, sagte er. Der 13-Jährige ist Stadtoberhaupt von FEZitty, der Spielstadt, die gestern im Kinder- und Jugendfreizeitzentrum (FEZ) in der Köpenicker Wuhlheide zum sechsten Mal ihre Tore öffnete. Bis zum 31. August können hier Schüler zwischen sechs und 14 Jahren gemeinsam arbeiten, lernen, debattieren und feiern. Fast wie im richtigen Leben. „In einer Demokratie ist es wichtig, frühzeitig die Spielregeln zu erlernen, besonders wenn gesellschaftliche Prozesse immer komplizierter werden“, erläutert Lutz-Stephan Mannkopf, Leiter des FEZ, das pädagogische Konzept.

Zunächst müssen sich die jungen Bewohner im Einwohnermeldeamt eintragen lassen. Danach geht es zur Arbeitsagentur. Dort werden täglich 150 Berufe in 60 Betrieben angeboten. Ob als Tierpfleger, Spielzeugherstellerin, Fitnesstrainer oder auch Leiterin einer Bank - Kinder können in FEZitty ihren Traumberuf ausprobieren. Wer mindestens vier Stunden arbeitet, wird Stadtbürger und darf über Gesetze mitentscheiden.

Hinter einem Schalter des Jobcenters sitzt die zehnjährige Liane. Vor allem Wachschützer oder Verkäuferin seien beliebte Posten, erzählt die Zehnjährige begeistert. Das Interesse an politischen Aufgaben hält sich anfangs noch in Grenzen. Kein Wunder. Auch in der Hauptstadt der Kinder sind Politiker selten unumstritten. „Bei der vorigen FEZitty vor zwei Jahren habe ich als Stadtrat rückwirkend die Steuern erhöht, darauf gab es eine riesige Protestdemonstration vor dem Rathaus“, erzählt Kevin. In diesem Jahr müssen 20 Prozent von den verdienten „Wuhlis“, der FEZitty-Währung, an die Regierung abgeführt werden.

Von dem Rest können sich die FEZianer im Erlebnispark amüsieren, ins Kino gehen, Boot fahren oder einen Imbiss im Gartenrestaurant kaufen. Nahrung fürs Gehirn gibt es im „Meteum“. In den Fakultäten, Mensch, Technik und Umwelt, der FEZitty-Universität lernen neugierige Stadtbürger unter anderem, wie man Flugzeuge baut, spannende Geschichten schreibt oder woraus unsere Lebensmittel bestehen. Die neunjährige Sabrin, stellvertretende Bürgermeisterin von FEZitty, will sich dagegen vor allem um die jüngeren Einwohner kümmern. Viel Zeit bleibt ihr nicht. Schon nächste Woche wird über eine neue Kinderregierung abgestimmt, Stadtchef Kevin hofft auf seine Wiederwahl. F.B.

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