Berlin : Trauer bei der BVG

Vorstands-Chef Andreas von Arnim starb im Alter von 46 Jahren. Er brach beim Physiotherapeuten zusammen. Die Todesursache ist unklar

Klaus Kurpjuweit

Es geschah völlig unerwartet: Im Alter von 46 Jahren starb gestern Andreas von Arnim, der Vorstandsvorsitzende der BVG. Arnim war am Nachmittag in einer Physiotherapie-Praxis im Martin-Luther-Krankenhaus zusammengebrochen und trotz sofortiger ärztlicher Behandlung gestorben. Die Todesursache war gestern Abend noch unklar. Von einer Krankheit war nichts bekannt. Von Arnim hielt sich durch Laufen fit. Zuletzt bereitete er sich auf die Teilnahme am Halbmarathon vor. Dabei wurde er allerdings gestoppt, denn vor wenigen Wochen war er in einen Unfall verwickelt. In seinem Dienst-Smart hatte er einen Auffahrunfall erlitten und war dabei am Knie verletzt worden. Deshalb wurde er in der Physiotherapie-Praxis behandelt. Um die Geschäfte der BVG hatte er sich auch im Krankenhaus gekümmert. Von Arnim sollte die BVG sanieren und das Unternehmen wettbewerbsfähig machen.

Die wirtschaftliche Bilanz hatte sich unter seiner Führung verbessert. Dabei stand von Arnim unter starkem Druck, weil er umstrittene Entscheidungen traf. Auch die Einführung des zum Teil heftig kritisierten neuen Linienkonzepts im vergangenen Dezember erfolgte unter seiner Verantwortung. Kritiker warfen ihm vor, er habe viele Projekte angeschoben, aber nur wenige umgesetzt.

Wegen nach Ansicht des Rechnungshofes zu hoher Zahlungen in der Führungsriege ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen von Arnim und andere Vorstandsmitglieder wegen des Verdachts der Untreue. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Innerbetrieblich hatte von Arnim sich mit der Personalvertretung angelegt. Die Arbeitnehmer verweigerten zuletzt ihre Zustimmung zur Einführung des elektronischen Tickets. Von Arnim hatte einen Fünf-Jahresvertrag. Nach derzeitigem Stand wäre er voraussichtlich um weitere fünf Jahre verlängert worden. Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) war als Aufsichtsratsvorsitzender der BVG des Lobes voll über die Leistungen des von ihm geholten und mit einem üppigen Vertrag ausgestatteten BVG-Chefs, den er auch nach der Kritik des Rechnungshofes unterstützte. Der viel zu frühe Tod sei tragisch für die Angehörigen, für das Unternehmen und das Land Berlin, sagte Sarrazin. Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) würdigte die Leistung von Arnims. Er habe seine Aufgabe mit „voller Energie und großem Engagement“ erfüllt. Der Tod habe ihn mitten „in einem schwierigen Restrukturierungsprozess getroffen, mit dem er die BVG auf einen zukunftsfähigen Weg bringen wollte“. Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) erinnerte gestern an sein „unermüdliches Handeln“.

Von Arnim, der Betriebswirtschaft studiert hatte, war verheiratet und hatte zwei Söhne. Die Führung der BVG hatte er am 1. Oktober 2002 übernommen. Seit Abschluss des Studiums 1982 war er unter anderem bei der Unilever-Gruppe und der Beratungsfirma McKinsey beschäftigt. Im Vorstand war er dann bei der Raab Kaarcher Sicherheit GmbH, der Micrologica Hamburg und der Lexlinkline.

Eine Beratungsfirma hatte ihn für die BVG empfohlen. Dort war er auch für den Finanzbereich zuständig. Technik-Vorstand ist Thomas Necker, den Personalbereich leitet Hilmar Schmidt-Kohlhas. Er stand vor Arnims Einstieg kommissarisch an der BVG-Spitze.

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