Berlin : Trauer ohne Ende

Tierfreunde legen weiter Blumen für Thomas Dörflein im Zoo ab. Noch kein Termin für Beerdigung

Sigrid Kneist

Der Tod Thomas Dörfleins bewegt auch nach zwei Wochen noch Tierfreunde aus aller Welt. Nach wie vor bringen Zoo-Besucher Blumen, Kerzen und Gedichte mit, um ihrer Trauer um den beliebten Tierpfleger Ausdruck zu verleihen. Dörflein starb vor zwei Wochen im Alter von 44 Jahren an einem Herzinfarkt, der durch eine Thrombose ausgelöst worden war. Er hatte das weltberühmte, von seiner Mutter verstoßene Eisbärbaby Knut mit der Hand aufgezogen.

Noch immer ist der Zeitpunkt der Trauerfeier nicht bekannt. Es gebe bisher keinen Termin, hieß es gestern aus dem Umfeld der Familie. Gegenüber der BZ hatte die Mutter gesagt, dass die Urne ihres Sohnes auf dem Friedhof „In den Kisseln“ in Spandau bestattet werden soll. Auch in der Senatskanzlei ist noch kein Termin bekannt; der Zoo verweist auf die Familie. In den vergangenen Tagen war immer wieder Montag, der 13. Oktober, ins Gespräch gebracht worden; an diesem Tag hätte Thomas Dörflein seinen 45. Geburtstag gefeiert.

Sonnenblumen, Rosen, Nelken säumen nicht nur den Eingang des Zoologischen Gartens am Hardenbergplatz, auch an Knuts Gehege und dem Eingang zum Bärenrevier legen die Besucher frischen Blumen ab, drapieren Bilder und kleine Plakate. Aus Haldensleben bei Magdeburg kommt Gislinde Bruch, die an Knuts Gehege steht und jede Bewegung des inzwischen halbwüchsigen Bären mit ihrem Fotoapparat festhält. Sie hat zum Gedenken eine Heidepflanze mitgebracht, die sie hier mit einer Karte ablegen will. Außerdem Kondolenzbriefe an den Zoo und an die Lebensgefährtin von Knuts Ziehvater. Die 69-Jährige war sehr traurig, als sie vom Tode Dörfleins hörte. In den letzten anderthalb Jahren war Gislinde Bruch mehrere Male bei Knut. Ihrem sechsjährigen Enkelsohn hat sie ein Album mit Artikeln und Bildern des Bären gestaltet.

Die Menschen tragen sich auch weiterhin in das Kondolenzbuch ein. Im Erdgeschoss des Zoo-Verwaltungsgebäudes liegt es aus, umrahmt von einem Bild und Blumen. Ein Band ist inzwischen schon gefüllt, jetzt liegt bereits das zweite Buch aus. „Ich bin unendlich traurig“, schrieb gestern ein Zoo-Besucher aus Wilmersdorf ein. „Lieber Thomas, Du hast der Welt viel Freude gemacht“ oder „Du, zusammen mit Deinem Knut, Ihr wart einfach wunderbar. Du hast uns allen so viel gegeben“ lauten andere Einträge.

Insgesamt etwa 300 Kondolenzbriefe für die Angehörigen wurden in den vergangenen Wochen bei der Zooverwaltung abgegeben. Und im Internet-Kondolenzbuch lassen die Trauerbekundungen nicht nach. Bis gestern Nachmittag hatten sich rund 9600 Menschen dort eingeschrieben. Sigrid Kneist

Online-Kondolenzbuch unter:

www.zoo-berlin.de

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