Trauer um Gisela May : Zum Abschied das Lied von der Moldau

Freunde und Kollegen verabschieden sich von Sängerin und Schauspielerin Gisela May.

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Die Schauspielerin Gisela May ist am 2. Dezember verstorben.
Die Schauspielerin Gisela May ist am 2. Dezember verstorben.Foto: dpa

Bewegender Abschied von der Sängerin und Schauspielerin Gisela May: Zahlreiche Freunde, Verehrer und Kollegen der Schauspielerin und Sängerin füllten die große Trauerhalle in Baumschulenweg. Die 92 Jahre alte Diseuse hatte vor ihrem Tod am 2. Dezember 2016 den Ablauf des Abschieds genau festgelegt. Aus einem Meer von Kränzen und Blumen ragte die dunkelblau glänzende Urne hervor. Sie soll später im engsten Familienkreis beigesetzt werden. Kein Porträt-Foto erinnerte in dieser Feierstunde an die weltberühmte Brecht-Interpretin – dafür erklang ihre unverkennbare Stimme mit dem Brecht/Eisler-"Lied von der Moldau" und Gisela Mays Überzeugung: "Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine. Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag". "Im Hause May wurde links gedacht", sagte der Kulturwissenschaftler Jürgen Schebera und schilderte den Aufstieg der Schauspielerin, die später auch als Interpretin von Brecht-Liedern mit Kompositionen von Weill und Eisler eine Weltkarriere machen sollte.

Jeder hat "seine May" im Kopf

Auf der Theaterbühne war "die May" eine Institution, ob im Deutschen Theater, im "Metropol" oder im Berliner Ensemble, wo ihr und anderen nach der Wende schmählich der Stuhl vor die Tür gesetzt wurde, wie es Klaus Völker beschrieb. Aber die disziplinierte Arbeiterin und Kämpferin für das Gerechte kam wieder und füllte mit ihren Brecht-Abenden das BE. Im deutschen Westen wurde Gisela May durch die "Adelheid"-Serie bekannt, als Mitglied der Akademie der Künste habe sie sich stets eingemischt – "bei einer Sitzung", erzählt Ex-Präsident Klaus Staeck, pinnte sie plötzlich ein vielfach vergrößertes Staeck-Plakat "Vorsicht, Kunst!" an die Stirnseite des Saales. Sie war immer voll da, die Mutter Courage. Jeder hat "seine May" im Kopf: Peter Bause, Jutta Wachowiak, Dagmar Frederic und viele andere Fans und Kollegen in der Stunde des Abschieds.

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