Trauergottesdienst : Abschied vom Altbischof

Mit einem Lächeln blickte Albrecht Schönherr am Sonnabend auf die Menschen in der bis auf den letzten Platz besetzten Marienkirche am Alexanderplatz. Ein überlebensgroßes Porträt des Altbischofs stand im Altarraum, brennende Kerzen umrahmten es.

Benjamin Lassiwe
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Schönherr

Am 9. März war Schönherr im Alter von 97 Jahren in Potsdam verstorben. Und während der Theologe am Freitag im engsten Freundes- und Familienkreis in Potsdam-Bornim beigesetzt worden war, kamen am Sonnabend Freunde und Weggefährten zu einem Gedenkgottesdienst in die Marienkirche. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, der Präsident des Abgeordnetenhauses, Walter Momper, Altbischof Martin Kruse und sogar der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi, saßen in den Kirchenbänken, als Bischof Wolfgang Huber seine Trauerpredigt hielt.

Doch auch der sonst so souveräne Ratsvorsitzende der EKD konnte seine Betroffenheit nicht verbergen. Mit bleichem Gesicht stand der Theologe auf der Kanzel und erinnerte an den „verlässlichen, väterlichen Freund“, den er verloren habe. „Über Jahrzehnte hinweg“ sei Schönherr für viele Menschen zum Halt ihres Glaubens geworden. Die „Eigenständigkeit des kirchlichen Zeugnisses in der DDR“ habe der Theologe, der von 1972 bis 1981 Bischof der Berlin-Brandenburgischen Kirche war, „nicht nur mit Deutlichkeit vertreten, sondern auch in den kirchlichen Leitungsämtern dem Staat gegenüber abgesichert“. Die „Klaviatur der Kirchenpolitik“ habe Schönherr beherrscht, mindestens genauso hätten ihm aber auch die Dorfgemeinden in Brandenburg und das traditionsreiche Domstift in Brandenburg an der Havel am Herzen gelegen. Doch auch die Hoffnung auf die Auferstehung kam im Trauergottesdienst nicht zu kurz: „Wir spüren die Härte des Todes“, sagte Huber. „Aber dem Tod bleibt nicht der Sieg, dieser gehört dem Leben.“

Und natürlich war da Dietrich Bonhoeffer. Sein wohl weltbekanntes Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ sang die Gemeinde im Trauergottesdienst, sein Glaubensbekenntnis wurde gesprochen. Denn mit Albrecht Schönherr starb der wohl letzte lebende Schüler des NS-Gegners und Vordenkers der Bekennenden Kirche. Anschließend fanden die Trauergäste im Wappensaal des Roten Rathauses zusammen – Weggefährten und natürlich auch die Familie des Altbischofs. Benjamin Lassiwe

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