Berlin : "Traum von Berlin": Mit dem Prinzen auf Tour durch die Stadt

hema

Oxymoron, Montagabend. "Du musst einfach kommen, du wirst es nicht bereuen", hatte Angelika Mann am Telefon gesagt. Nicht beim Umzug aus ihrer Wohnung am Tegeler See ins Rudower Häuschen zu ihrem heißgeliebten Biologen Ralf Rasch soll man ihr helfen, und auch nicht für ihre "Claire Waldoff" in der Tribüne warb die Schauspielerin, sondern für den "Prinzen von Berlin". So hat Marko Martin seinen ersten Roman genannt, den er in einem kuschlig-dunklen Gastzimmer in den Hackeschen Höfen präsentierte, und der schon vorher hoch im Gerede war. "Im Berliner Schwulenmilieu spielt er", raunte es. Die erste Überraschung war das Buch dann selbst - satte 559 Seiten hat sich der Autor vom erst 29-jährigen Herzen geschrieben - 30 Jahre wurde er erst eine Woche nach dem Erscheinen seines "Prinzen". Den in Gänze kennen zu lernen, dafür warb vor der Lesung Gert Mattenklott die Zuhörer der Buchpräsentation, unter ihnen Katja Havemann und Vertreter der schreibenden Zunft, wie Lutz Rathenow, Edgar Hilsenrath, Hans-ChristophBuch und Michael Kleeberg. Er selbst habe sich von dem Roman hinreißen lassen, lobte der Literaturprofessor aus der Freien Universität den jungen Autor, der sich - das nun wusste Angelika Mann - mit Trennkost beneidenswert schlank hält. Gesund wohl auch. Denn bei Martin, der 1989 aus Karl-Marx-Stadt nach West-Berlin ausreiste und im "französischen Sektor" wohnt ("klingt besser als Reinickendorf") ist mit Studium, Jobs, insgesamt vier Bücher schreiben, zwei Jahre Parisaufenthalt vollauf beschäftigt. In seinem Debütroman erzählt der flinke Sachse uns seinen "Traum von Berlin". Bissig oft und immer scharf beobachtet. Etwa, wenn sein "arabischer Prinz" fürs Studium jobbt und die mittags mit Pizzas belieferten "Weiber" ganzer Charlottenburger Straßenzüge abends in entrückter Literaturanhörung wiederfindet. Oder wenn er den "Papierorgasmus über die neue, große, wahnsinnig supergeile Hauptstadt" geißelt. "Von dem werden wir noch mehr hören", jubelte Angelika Mann - das letzte "dicke Buch" ist es nicht, sagte Marko Martin.

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